Case Study zum Projektmanagement

06. 2013
von Katrin Jutzi
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Es war ein Mal ein Projekt …

das gescheitert ist. Selbst mit einem wohlwollenden Blick zurück lässt sich nur zusammenfassen: es ist missglückt. Wie kam denn das?

Ein älterer wohlsituierter, man kann sagen reicher Mann hatte eine Idee: 25 % aller Hamburger Jungs – egal aus welchem familiären Hintergrund – beginnen ihren Schulanfang mit Sprachproblemen; so die Statistik, erhoben mittels den Untersuchungen zur Schulreife. Da muss man doch Abhilfe schaffen!

Während seinen vielen Jahren in der Wirtschaft als Geschäftsführer hatte der ältere Herr nebenher eine Leidenschaft: Spiele entwickeln. Nun, im Ruhestand, ausgestattet mit Vitalität, Zeit, Geld und Schaffenskraft, möchte er ein Spiel schaffen, was sich dieses Sprachproblems der jüngeren Kinder annimmt. Ideen dazu hatte er schon längst, weil er es kaum aushalten kann, wie die deutsche Sprache besonders durch den Jargon bei Jugendlichen „verkommt“. Man kann also gar nicht früh genug beginnen, bei Kindern die Liebe zur deutschen Sprache zu wecken und wie anders, als auf eine spielerische Art?

Das Spiel war rasch erfunden, nach besten pädagogischen Kriterien hergestellt und im Internet präsentiert. Nun sollte es „nur“ noch in die Kindergärten und Schulen Hamburgs kommen. Der ältere Herr, der Projekterfinder, sucht also ein Team zusammen, genau so, wie er es zu Zeiten seiner Wirtschaftstätigkeit tat. Mitarbeiter aus seinem ehemaligen professionellen Umfeld nahmen sich also des Themas an. Das Team sollte Ehrenamtliche einsetzen, die dann in Kitas gehen, in Ausbildungsstätten von Sozialpädagogen usw., um für das Spiel zu werben, eine Stiftung einzubeziehen und Projekte anzuzetteln. Excel-Tabellen wurden geschrieben, Projektpläne ausgearbeitet. Und hier bricht die Erfolgsstory ab.

Reaktionen auf Anfragen vor Ort, wo das Spiel seinen Einsatz finden sollte, waren: „Ja interessant, aber ...“, Stiftungen bekannten sich nicht zu diesem Lösungsansatz des Sprachproblems. Dem Team gingen die Luft und die Lust aus und einer nach dem anderen verabschiedete sich von Thema und Team.

Wo lag der Knackpunkt? Ressourcen, Strukturen gab es genug, das Produkt war pfiffig. Aber:

a)    Das individuelle Feuer des Pioniers griff nicht ins Team über. Das Feuer, das Herz des Projektes – die Mission – wurde nicht miteinander diskutiert, verstanden und gefüllt. Für die Mitstreiter war es ein Projekt, das schnell, kostengünstig und professionell abzuarbeiten galt. Es gab keinen emotional aufgeladenen Kern, der zu mehr Engagement und Ideen bewegte.

b)    Eine professionelle Projektplanung reicht noch nicht aus, um im Nonprofit-Bereich wirksam zu sein. Hier versagen mitunter die in der Wirtschaft mit Erfolg eingesetzten Methoden. Es dort nicht besser oder schlechter als im Nonprofit-Sektor, nur einfach ganz anders.

Schade um die tolle Idee. Hoffentlich wertet das Team die Erfahrungen aus, damit kein schaler Nachgeschmack bleibt – und das häufiger anzutreffende Vorurteil: Vereine seien komisch!

Wenn Sie eine einmalige Idee haben, wie ein gesellschaftliches Problem gelöst werden kann, dann tun sie das besser mit Antoine de Saint-Exupery: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ 

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