Case Study: Wie die Mission lebendig wird

10. 2013
von Katrin Jutzi
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Ein Beispiel zur Implementierung

Das kennen Sie sicher auch: Ein Geschäftsführerwechsel steht an oder drei Vorstandsmitglieder legen ihr Amt nieder oder die Großspenderin zahlt Weihnachten den erhofften Betrag nicht oder ein neuer Arbeitsbereich wird eröffnet, neue Mitarbeiter werden gesucht … Alles Szenarien, die eine Organisation ganz schön durchschütteln können. Dann ist in aller Veränderung Klarheit, Transparenz und Halt gefragt. Worauf kann eine Organisation, können Mitarbeiter und ehrenamtlich Engagierte bauen, wenn ein oder sogar mehrere einschneidende Veränderungen anstehen? Wie kann Ihnen in einer solchen Situation Ihre Mission helfen, wenn sie im Verein zum Leben erweckt wird?

Es gibt einen Geschäftsführerwechsel. Von Anfang an brachte er eine neue Art von Führung mit – aufgeschlossen für eine Einbeziehung aller, mit neuen Ideen, Schwung und viel frischem Elan. Die (rund 40) Mitarbeiter sahen sich plötzlich in einer neuen Vereinskultur, Altes und Neues bestanden nebeneinander her. Unterschwellig war mancher mit der Frage befasst: Wird es besser oder schlechter? Ist das noch unser Verein, früher war das doch mal…?

Klausur: Standortbestimmung und Zukunft

In dieser einschneidenden Situation beraumte der Geschäftsführer eine Klausur an, die Teilnahme war freiwillig. Die aktuelle Situation sollte besprochen und Ideen für die Zukunft gesammelt werden – insbesondere zur Öffentlichkeitsarbeit und zum Fundraising.

Die Klausur begann mit einer Standortbestimmung. Es stellte sich heraus, dass es eine Reihe von Themen gab, die über die Jahre angebacken waren und nun bereinigt werden konnten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sprachen den Wunsch aus, intensiver in die Prozesse des Vereins eingebunden zu werden. Als begleitende Berater wollten wir neben Lösungen für die ganz praktischen Fragen noch auf einer weiteren Ebene arbeiten, um zu prüfen, wie es um den Boden des Vereins bestellt ist. Mit den Fragen: ‚Warum gibt den Verein? Warum nimmt er sich dieser speziellen Aufgabe an?‘ kam die Mission des Vereins in den Raum und die Gruppe konnte sich gemeinsam über die Grundfesten des Vereins austauschen. Über sie (die Mission des Vereins) wurde lange und heiß diskutiert. Einerseits wurde sie erinnert: Warum und wofür sind wir einst angetreten? Was hatte uns begeistert und zusammengeholt? Andererseits wurde sie danach angeschaut, was sich inzwischen intern und im Wirkungsfeld des Vereins verändert hat. In dieser Diskussion zeigte sich sehr schlüssig, dass die Mission – der selbstgegebene Auftrag des Vereins – einen wesentlichen Schnittpunkt und die innere Klammer zwischen Vergangenheit und Zukunft bildet. Eine kluge Menge an Gedanken und Bausteine wurden zusammengetragen. Im Ergebnis wurde der Bedarf deutlich, ein Mission Statement zu formulieren.

Formulierung eines Mission Statements

Für die Einigung auf eine Mission müssen aber möglichst alle gewonnen werden, der Vorstand, die Mitarbeiter, die nicht dabei sein wollten oder konnten, die ehrenamtlich Mitarbeitenden. Dafür wurde zu einer zweiten Klausur eingeladen, diesmal mit Vertretern aller Bereiche, des Vorstandes und von ehrenamtlich Engagierten, die sich bewusst für eine Beteiligung an der Zukunftsgestaltung entschieden haben. Ihnen wurde der Zwischenstand präsentiert. Präzisierungen und Zuspitzungen zur Mission trafen immer deutlicher den inneren Kern des Vereins.

Ein Redaktionsteam fand sich zusammen, das nun den Auftrag hat, ein Statement zu formulieren. Danach geht es in alle Bereiche, um es zu hinterfragen und evtl. vernachlässigte Gedanken noch aufzunehmen.

Hier beginnt die offene Zukunft. Absehbar ist bereits jetzt: In mehreren Schleifen wird etwas entstehen, wozu jeder Beteiligte am Verein gut stehen kann. Das wird das eigentliche Prozessergebnis in diesem Verein sein. Es wird ein Mission Statement geben, das nützlich sein wird:

  • für eine Bewertung zukünftiger Projekte - Worauf wollen wir uns in Zukunft konzentrieren,
  • für die Einbeziehung von ehrenamtlich Mitarbeitenden - Welche Einladung sprechen wir an sie aus? Wie machen wir deutlich, wofür wir einstehen?
  • für die Teamentwicklung – Was eint uns in aller Unterschiedlichkeit?
  • für die Öffentlichkeitsarbeit – Wie drücken wir unsere Unverwechselbarkeit aus?
  • für die Akquise neuer Spender – Warum lohnt es sich, sich gerade bei uns zu engagieren?

Parallel wurde aber im Verein eine Bewegung ausgelöst, die neue Verbindung, neuen Kitt geschaffen und dem Verein eine neue Kontur geschenkt hat. 

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