Können wir im Fundraising nach dem Wahlsieg der A*D in Sachsen-Anhalt weitermachen wie bisher?
Wir müssen reden
In Sachsen-Anhalt ist zum ersten Mal eine rechtsradikale Partei stärkste politische Kraft geworden und könnte die Regierung stellen. Die Partei ist bewusst gewählt worden. Es geht um die Zerstörung unserer Demokratie. Wer sich für die Hintergründe interessiert, darf gern die aktuelle Studie von Amlinger/Nachtwey lesen, die lohnenswert ist.
Wir können jetzt zur Tagesordnung übergehen und das nächste Weihnachtsmailing vorbereiten. Politik ist scheinbar weit weg, und die meisten Organisationen der Zivilgesellschaft kümmern sich ja um andere Fragen – und eventuell um die Menschen, die als erste Opfer der neuen Regierung in diesem Bundesland werden.
Wir könnten diese Zäsur aber auch nutzen, um innezuhalten und zu überlegen, was unser Anteil in der Zivilgesellschaft und speziell im Fundraising an dieser Situation ist:
- Wollen wir uns nach wie vor als unpolitischer, sozialer Dienstleister verstehen, der mit Expert:innen die Gesellschaft „repariert“, oder doch als Organisation der Zivilgesellschaft mit einer eigenen Agenda und einer Mission für eine bessere Gesellschaft? Können wir diese Mission formulieren, oder erzählen wir weiter nur, was wir machen? Denn erst, wenn wir die Warum-Frage beantworten, kommen wir an den emotionalen und normativen Kern, der Menschen bewegt. Und erst aus diesem Kern können wir Beziehungen aufbauen, die langfristig belastbar sind.
- Erzählen wir nach wie vor Opfer-Narrative, weil wir das immer schon so gemacht haben, oder entwickeln wir eigene Narrative, die spezifisch für die eigene Organisation sind? Opfer-Narrative mögen Geld bewegen – weil Menschen mit dem Opfer solidarisch sind –, sie bewegen aber keine Herzen und binden Menschen auch nicht ein. In Opfer-Narrativen haben sie keine Rolle. Und diese Rolle ist wichtig, damit Menschen ihren Beitrag zum Gelingen verstehen.
- Haben wir den Mut zu ambitionierten Zielen, oder sammeln wir Geld für das nächste kleine Projekt, bei dem leider, leider noch etwas Geld fehlt? Nur wenn wir groß denken, haben wir eine Chance, Menschen mitzunehmen, etwas Großes zu schaffen. Etwas, das größer ist als sie selbst und das nur gemeinsam mit anderen zu erreichen ist. Dies ist eine der Voraussetzungen für erfolgreiches Fundraising.
- Sind Spender:innen Teil der Gemeinschaft, die die Welt zu einem besseren Ort macht und ihre Mission erfüllt, oder bleiben sie Geldgeber:innen am Rand, die extern stehen bleiben? Wen umfasst eigentlich das „Wir“, wenn Sie von „wir“ sprechen? Ist hiermit die eigene Organisation gemeint oder auch alle Förder:innen? Gemeinschaft, das zeigen alle Studien zum Rechtsextremismus, spielt eine wesentliche Rolle – sowohl unter rechtsextremen Anhänger:innen als auch bei der Gegenwehr. Und wer soll Gemeinschaften bilden, wenn nicht wir aus der Zivilgesellschaft?
- Haben wir eigentlich einmal überprüft, ob unsere Projekte und Programme wirklich die Ziele erreichen? Wie kann es sein, dass wir seit Jahren Förderung der Demokratie finanzieren, wenn immer mehr Menschen diese Demokratie verachten und zerstören wollen? Kann es sein, dass wir Projekte und Programme haben, die auf Theories of Change basieren, die in der Luft hängen und revidiert werden müssten? Haben wir uns überhaupt jemals mit unserer Theory of Change auseinandergesetzt und sie hinterfragt? Glauben wir ernsthaft, dass Menschen Ressourcen geben, wenn sie das Gefühl haben, dass die Maßnahmen nicht zum Ziel führen?
Es gibt also jede Menge zu diskutieren, wenn wir ernst machen wollen, uns als Teil der Zivilgesellschaft verstehen und Demokratie uns wichtig ist. Dass es nicht mehr reicht, einen Status quo, der unbefriedigend ist, gegen rechts zu verteidigen, sollte uns jetzt klar geworden sein. Wo bleiben aber unsere Antworten auf die Herausforderungen? Wer sollte diese diskutieren und entwickeln, wenn nicht wir in der Zivilgesellschaft? Denn dies ist eine der zentralen Aufgaben, die wir haben. Und sie ist die Grundlage für ein erfolgreiches Fundraising. Dann brauchen wir uns auch nicht mehr zu beklagen, dass jedes Jahr weniger Menschen spenden.
Diskutieren Sie mit uns diese Themen auf dem Fundraising-BaCamp am 15.01.2026 in Hamburg. Melden Sie sich auf www.fundraising-barcamp.de gleich an. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt.
Wer sich strategisch neu aufstellen und die Fragen für sich beantworten möchte, meldet sich gern bei mir.
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Eine nachhaltig finanzierte Zivilgesellschaft, die die Welt ein Stück besser macht und ohne Ausbeutung und Selbstausbeutung auskommt, ist die Mission von Dr. Kai Fischer. Deshalb beschäftigt er sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Aufbau langfristiger Beziehungen zu Förder/innen und bietet hierfür Strategie-Beratungen, Inhouse-Workshops und Seminare an.
Dr. Kai Fischer
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