Mythen im Fundraising #1: Spenderpyramide
Eine der am hartnäckigsten haltenden Mythen im Fundraising ist die Spenderpyramide. Wer diesen Unsinn noch nicht kennt, kann das Thema einfach googeln. Im Grunde geht es dabei um eine Schichtung der Spendenden in mehreren Stufen, die sich nach ihrem Beitrag staffeln – von Interessent:innen ohne finanziellen Beitrag bis hin zur Großspende und der Erbschaft. Eine Pyramide ergibt sich, da mit zunehmendem finanziellem Beitrag der Anteil derjenigen, die diese Ressourcen geben, immer kleiner wird. Implizit behauptet wird dann, dass die Spendenden von unten nach oben entwickelt werden müssten.
Es gibt drei große Kritikpunkte an der Pyramide, die zeigen, dass diese Unsinn ist:
- Es gibt keine empirische Basis für die Pyramide. Im Grunde zeigt die Spendenpyramide eine Verteilung der Spender:innen einer Organisation zu einem gegebenen Zeitpunkt. Dies ließe sich auch in einem Kreisdiagramm darstellen. Die Darstellung in Form einer Pyramide erzeugt eine Kausalität, die sich nicht ableiten lässt, aber geschickt suggeriert wird.
- Es gibt keine empirische Evidenz, dass diese Verteilung für alle Organisationen gilt. Vielmehr gibt es Organisationen, die nur wenige Großspender:innen haben. Bei anderen sieht die empirische Verteilung ebenfalls anders aus. Die Verteilung ergibt sich aus strategischen Entscheidungen. Die Spenderpyramide ist keine Norm und hat auch keine empirische Basis.
- Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass Spender:innen sich entlang der Pyramide entwickeln lassen. Viele Menschen spenden nur einmal, weil sie in ihrem Spenden keine Beziehung zur Organisation aufbauen. Von Großspender:innen lassen sich in der Regel keine Erbschaften gewinnen – eventuell stiften sie einen Teil ihres Vermögens. Sie haben andere Interessen und Gebe-Logiken als Menschen, die geringe Beiträge geben. Erbschaften kann man von gut gebundenen Spender:innen erhalten, die regelmäßig einen kleineren oder mittleren Betrag geben. Ob man aus Menschen, die geringe Beträge geben, Großspender:innen entwickeln kann, würde ich bezweifeln.
Wer sich ausführlicher zur Kritik an der Spenderpyramide interessiert, kann sich in der Mission-based Kolumne weiter informieren.
Dr. Kai Fischer
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