Mythos #13: Fundraising-Instrumente

Eine Sprechweise, die im Fundraising scheinbar nicht auszurotten ist, ist die Rede von den sogenannten Fundraising-Instrumenten. Gemeint sind damit Formen des Fundraisings – etwa Kapital-Kampagnen oder Nachlass-Fundraising – sowie Methoden, die sich auf die eingesetzten Kommunikationskanäle beziehen, wie Mailings, „Online“ oder Telefon.

Der Begriff Instrument bezieht sich in der Regel auf technische Artefakte – Musikinstrumente, Arbeitsgeräte oder medizinische Instrumente –, die eingesetzt werden, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Hier geht es um klare Wenn-Dann-Beziehungen: Ich benutze einen Schraubenzieher, um eine Schraube hinein- oder herauszudrehen, oder einen Hammer, um einen Nagel in ein Stück Holz zu schlagen.

Selbst wenn man den Instrumentenbegriff weiter fasst, nutzen wir im Fundraising im eigentlichen Sinne nur zwei Dinge instrumentell: Sprache – in Wort und Schrift – sowie Bilder, statische wie bewegte. Diese setzen wir ein und gestalten sie so, dass sie bestimmte Reaktionen auslösen. Wenn wir überhaupt von „Instrumenten“ sprechen können, dann allenfalls von diesen.

Im Fundraising haben wir es jedoch – jenseits des instrumentellen Gebrauchs von Sprache und Bild – mit sozialen Beziehungen in unterschiedlichen Qualitäten zu tun. Wer Interaktionen in sozialen Beziehungen als „Instrument“ beschreibt, hat diese Beziehungen bereits instrumentalisiert. Dann geht es nicht mehr um menschliche Begegnung, die darauf abzielt, gemeinsam die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sondern um das Einsammeln von Ressourcen, um organisatorische Defizite zu decken.

Instrumentalisierte soziale Beziehungen sind jedoch nicht nachhaltig. Kurzfristig mag es möglich sein, sie so zu gestalten, dass man ökonomisch von ihnen profitiert. Mittelfristig zeigt sich jedoch das Problem: Niemand möchte als „Ding“ behandelt werden, aus dessen Portemonnaie einfach ein paar Scheine gezogen werden sollen. Dass Menschen sich dagegen wehren, erscheint nur natürlich.

Wenn sich in der Sprache auch unser Bewusstsein und unser Blick auf die Welt ausdrücken, sollten wir kritisch überlegen, mit welchen Begriffen wir arbeiten. Dann zeigt sich, dass die Rede von „Instrumenten“ im Fundraising nicht nur uns selbst in die Irre führt, sondern auch die sozialen Beziehungen beschädigt, die die Grundlage jeder Fundraising-Arbeit sind.

Deshalb, liebe Kolleg:innen: Hört auf, von „Instrumenten“ zu sprechen, wenn ihr Formen oder Methoden des Fundraisings meint. Es hilft, zwischen beidem zu unterscheiden – und Fundraising insgesamt komplexer zu denken.

 

Dr. Kai Fischer

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