Mythos #16: Beim Fundraising geht es um Geld
Alle Organisationen investieren in Fundraising, weil es den Zugang zu notwendigen Ressourcen verspricht. Aus Sicht der Organisation wäre alles andere wenig sinnvoll: Warum sollten Ressourcen investiert werden, wenn man nicht erwartet, dadurch zusätzliche Mittel einzuwerben? Entsprechend wird Fundraising intern meist primär nach dem finanziellen Ertrag bewertet.
Dies ist jedoch die rein ökonomische Sichtweise. Betrachtet man hingegen das Austauschverhältnis zwischen Organisationen und Fördernden, geht es aus Sicht der Gebenden um vieles – nur nicht um Geld. Spendenden geht es um das „gute Gefühl“ (Warm Glow), um das Mitgestalten der Gesellschaft, um Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Sinnstiftung. Manchmal spielen auch Anerkennung oder soziale Normen eine Rolle. Auch Eigeninteressen wie sozialer Status, Zugang zu Netzwerken, Reputationsgewinne oder handfeste Aufträge können Motive sein. Aus soziologischer Perspektive betrachtet, geht es zudem um Identität, Diskurse über Werte sowie den Aufbau von Sozialkapital und gesellschaftlichem Vertrauen.
Fundraising ist als Organisationsprinzip der Zivilgesellschaft hochkomplex und erfüllt eine Reihe von Funktionen, die seinen eigentlichen Zweck bilden. Ressourcen werden zwar meist benötigt, um diese Funktionen und die Mission der Organisation zu erfüllen – sie bleiben jedoch Mittel, nicht Zweck.
Ein Blickwinkel, der primär auf Geld fokussiert, reduziert Fundraising auf seine ökonomische Komponente und verkehrt Zweck und Mittel. Wenn wir die Einwerbung von Ressourcen als Selbstzweck definieren, riskieren wir, die soziale Basis des Fundraisings zu beschädigen. Wenn Fundraising seine tieferen gesellschaftlichen Funktionen nicht mehr erfüllen kann, erodiert das Fundament, auf dem die Zivilgesellschaft steht. So tragen wir letztlich zur Schwächung oder gar Zerstörung zivilgesellschaftlicher Strukturen bei.
Dr. Kai Fischer
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