Mythos #20: Fundraising kann man auf Dritte auslagern
Da Fundraising aufwendig ist, besteht immer auch die Hoffnung, das Dritte einem die Aufgabe der Finanzierung der eigenen Projekte und Programme abnehmen. Dieser Mythos tritt in sehr unterschiedlicher Gestalt auf:
· Es wird formuliert, dass gute und innovative Projekte und Programme durch den Staat oder zumindest Stiftungen zu finanzieren seien. Am besten, man schickt einen Antrag und dann kommt das Geld, damit sich die Organisation auf die eigentliche Aufgabe – das Projekt oder Programm – konzentrieren kann.
· Man gründet einen Förderverein oder eine Stiftung, die dann die Aufgabe zugeschrieben bekommt, für die notwendigen Ressourcen zu sorgen und die Organisation entsprechend zu versorgen.
Alle diese Ideen funktionieren eher schlecht als recht. Natürlich gibt es hervorragende Stiftungen und Fördervereine, die dieser Aufgabe sehr gut nachkommen. Und manchmal kann man sich die notwendigen Ressourcen mit einem einfachen Antrag verschaffen. Die Regel ist jedoch eine andere.
Da Stiftungen und Fördervereine rechtlich selbstständig sind, lassen sie sich nur sehr begrenzt kontrollieren und steuern. Wenn sie wenig Engagement zeigen, die Aufgaben zu erfüllen, gibt es in der Regel keine Handhabe, sie zu zwingen. Es werden dann eben keine Ressourcen eingeworben. Und wenn sie erfolgreich sind, liegen die Ressourcen zunächst bei ihnen. Und da die Verfügung über Ressourcen immer auch Macht bedeutet, muss sich die Organisation u.U. mit sehr machtbewussten Vorsitzenden von Stiftungen und Fördervereinen auseinandersetzen, die durchaus eigene Vorstellungen von Projekten und Programmen haben können.
Rein aus ökonomischen Gründen macht die Auslagerung von Fundraising keinen Sinn. Fundraising und die Beziehungen sind ein wesentliches Kapital zivilgesellschaftlicher Organisationen. Über dieses nicht verfügen zu können, ist in der Regel ein schwerer strategischer Fehler von Vorständen und Geschäftsführungen.
Einen Antrag zu schreiben und dann Geld zu bekommen, ist eine nette Vorstellung. Allerdings gilt auch hier: In der Regel setzt auch hier eine Förderung den Aufbau von Beziehungen voraus. Dies kann man als ineffizient und intransparent bezeichnet, ist aber funktionell: Im Rahmen von sozialen Beziehungen werden gegenseitige Erwartungen abgeglichen und Vertrauen aufgebaut. Denn Vertrauen ist im Fundraising nicht vorausgesetzt, sondern ein Ergebnis von Gabe-Handeln. Wenn diese Beziehungen bestehen, können beide Akteure gemeinsame Aktivitäten besser einschätzen. Oder wie schon wiederholt gesagt: Bei Fundraising geht es um vieles, aber nicht um Geld oder andere Ressourcen.
Dr. Kai Fischer
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