Mythos #28: Menschen müssen zum Spenden überzeugt werden
Manchmal entscheiden sich Menschen ganz von selbst dazu, zu spenden. Meistens benötigen sie jedoch einen konkreten Anlass, eine Bitte oder eine Einladung. Daraus leitet sich oft der Irrglaube ab, man müsse Menschen mühsam überzeugen, damit sie eine Organisation unterstützen.
Entsprechend ist häufig auch das Fundraising-Material aufgebaut: Wir erzählen Geschichten, liefern Nutzenargumente, belegen die Wirkung und erklären den Bedarf – immer in der Hoffnung, dass irgendwo der Funke überspringt und die Überzeugungsarbeit Früchte trägt.
Überzeugung oder Resonanz?
Doch kann man Menschen überhaupt dazu bewegen, etwas gegen ihren inneren Antrieb zu tun? Oder ist es nicht vielmehr so, dass Menschen bereits gute Gründe haben, warum sie sich für ein Thema interessieren?
Oft ist das Engagement tief in der eigenen Biografie verwurzelt. Vielleicht verletzt ein sozialer Missstand ihre persönlichen Werte oder sie wissen aus eigener Erfahrung um die Notwendigkeit bestimmter Leistungen. In jedem Fall haben Spender:innen immer einen Bezug zum Thema. Fehlt dieser Bezug, wird nicht gespendet. Im besten Fall lässt das Thema sie kalt; im schlimmsten Fall fühlen sie sich bedrängt. Eine echte Beziehung zur Organisation entsteht durch Druck jedoch nie.
Die Kraft der intrinsischen Motivation
Die meisten Spender:innen sind intrinsisch motiviert. Sie tragen den Grund für ihr Engagement bereits in sich. Was sie brauchen, ist kein „Überreden“, sondern:
- Ein konkreter Anlass für die Spende.
- Eine Organisation, die sie ernst nimmt und mitnimmt.
- Ein Thema, das ihre eigenen Werte widerspiegelt.
Die Einladung zur Teilhabe
Häufig fehlt lediglich die explizite Einladung oder die Bitte. Sie fungiert als Türöffner für Engagement und Mitwirkung. Menschen wollen spüren, dass ihr Beitrag willkommen ist. „Teilhabe“ signalisiert einer Person: Du gehörst dazu, du darfst dich anschließen.
Fazit
Wer seine Mission authentisch kommuniziert, den Dialog sucht und aktiv zuhört, erfährt schnell, warum Menschen sich engagieren wollen. Man muss sie dann nicht mehr überzeugen – das tun sie meist ganz von allein. Man muss ihnen lediglich die Chance dazu geben.
Dr. Kai Fischer
Sprechen Sie mich gerne an, ich freue mich von Ihnen zu hören!
Publikationen zum Thema
Buch
Mission Based Fundraising
Auch interessant:
Die Herausforderungen im Fundraising in Zeiten des strukturellen Wandels
Fundraising im Wandel: Einfache Tipps lindern nur Symptome. Strukturkrisen fordern strategische Neuausrichtung und neue Zielgruppen.
Mehr lesen Die Herausforderungen im Fundraising in Zeiten des strukturellen Wandels
Identität als strategisches Fundament: Warum wir Zielgruppen im Fundraising neu definieren müssen
Spenden ist Identitätsarbeit: Wer Rollen, Werte und Biografien anspricht, ermöglicht den „Warm Glow“ und bindet Spender tief an die Mission.
Die Grenzen der Milieu-Logik: Warum Sinus-Modelle im Fundraising oft ins Leere laufen
Sinus-Milieus scheitern im Fundraising: Da Spenden in Deutschland Privatsache sind, dienen sie nicht der sozialen Markierung via Lifestyle.
Mehr lesen Die Grenzen der Milieu-Logik: Warum Sinus-Modelle im Fundraising oft ins Leere laufen
Diese Seite drucken
E-Mail schreiben
Login
Kolumne