Mythos im Fundraising #29: Fundraising ist Friendraising

Förder:innen als „Freunde“ der Organisation, die großherzig unterstützen – ein schönes Bild, das im Fundraising allgegenwärtig ist. Doch hält dieser Vergleich einer kritischen Prüfung stand?

Was Freundschaft wirklich ausmacht

„Freunde“ beschreibt eine spezifische Form der zwischenmenschlichen Beziehung. Auf Freunde ist Verlass; sie sind in Krisen präsent und hören sich Geschichten geduldig auch zum hundertsten Mal an. Vor allem aber sind Freundschaften zweckfrei. Sie existieren, weil wir als soziale Wesen Austausch und emotionale Unterstützung benötigen, nicht um ein externes Ziel zu erreichen.

Die Realität: Zweckgerichtete Förder-Beziehungen

Beziehungen im Fundraising sind hingegen zielgerichtet. Fundraiser:innen bauen Kontakte auf, um Menschen davon zu überzeugen, gemeinsam eine Mission zu erfüllen. Dabei herrscht eine klare Arbeitsteilung:

  • Förder:innen stellen die notwendigen Ressourcen bereit.
  • Organisationen liefern das Know-how und setzen die Projekte um.

Das ist keine Freundschaft, sondern eine professionelle Förder-Beziehung.

Die Gefahr der Grenzunterschreitung

Die Gleichsetzung von Spender:innen mit Freund:innen ist mehr als ein kategorialer Irrtum – sie birgt handfeste Risiken. Da Freundschaften andere Grenzen haben als professionelle Kontakte, kommt es immer wieder zu Grenzüberschreitungen auf beiden Seiten:

  • Fundraiser:innen dringen zu tief in den privaten Nahbereich vor („Unter Freunden geht das doch …“).
  • Förder:innen nehmen eine unangemessene Rolle ein (z. B. indem sie Fundraiser:innen wie Kinder oder Enkel behandeln).

Gerade im Großspenden-Fundraising, wo der Kontakt besonders eng ist, wurzeln viele ethische Konflikte in genau diesen Grenzverletzungen.

Fazit: Professionalität schafft bessere Ergebnisse

Es ist essenziell, Beziehungen im Fundraising professionell zu gestalten und sie auch so zu benennen. Was alle Beteiligten – Organisationen, Mitarbeitende, Freiwillige und Förder:innen – verbindet, ist das gemeinsame Interesse an der Mission. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit setzt keine private Freundschaft voraus. Im Gegenteil: Wer die Grenzen und Bedingungen der jeweiligen Rollen respektiert, arbeitet am Ende gesünder und erzielt bessere Ergebnisse für die gute Sache.

 

Dr. Kai Fischer

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