5 Gründe, warum alle Nonprofits Spender/innen benötigen

10. 2019
von Kai Fischer
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Fundraising ist deutlich mehr als die Beschaffung von Ressourcen. Für viele Organisationen mögen diese Ressourcen der primäre Grund sein, warum sie sich mit Fundraising beschäftigen. Sie sehen dann jedoch die vielen Potenziale, die Fundraising noch eröffnet, nicht. Denn Fundraising verspricht nicht nur Geld, sondern ermöglicht auch ganz andere Prozesse.

1. Spender/innen schaffen Legitimation

Da alle Nonprofits – egal ob Vereine, Stiftung oder Sozialunternehmen – eine Mission besitzen, sind sie im Kern wertegetrieben. Auf Basis dieser Werte erbringen Sie Leistungen und gestalten Produkte. Damit gestalten sie auch unser Zusammenleben und unsere Gesellschaft.

Das ist im Kern gut. Denn dadurch können in einer pluralen Gesellschaft, in der unterschiedliche – zum Teil auch sich direkt widersprechende Werte – verfolgt werden, Lösungen entwickelt und damit gesellschaftlichen Wandel vorantreiben werden. Häufig gelingt dies sogar schneller und nachhaltiger als im politischen System – nicht nur in der Klimadebatte, wie wir im Moment wieder sehen können.

Allerdings stellt sich damit immer und grundsätzlich die Frage nach der Legitimität der zugrunde liegenden Ziele. Sind es Ziele einiger weniger Menschen, die die Gesellschaft in eine bestimmte Richtung drängen wollen? Oder werden die Ziele von vielen Menschen unterstützt, die gemeinsam Veränderungen erreichen wollen?

Diese Frage lässt sich relativ einfach mit Fundraising beantworten: Je mehr Menschen eine Organisation, einen Wert oder ein Thema unterstützen und bereit sind, sich hierfür mit Geld zu engagieren (das ist mehr als ein „Link“ oder das Unterschreiben einer Petition), desto größer ist die Legitimität der jeweiligen Position. Fundraising ist damit immer auch ein Ausdruck, wie weit es gelingt, Menschen zu begeistern und von den eigenen Werten zu überzeugen.

2. Spenden sind Anerkennungen der Leistung

Von wem erhalten Sie eigentlich Anerkennung für Ihre Leistungen? Gerade im sozialen Bereich ernten Sie auf diese Frage manches Mal ein Schulterzucken. Klienten, die Kunden heißen, muss man Wünsche abschlagen, Grenzen müssen gezogen und unangenehme Situationen ausgehalten werden. Positive Rückmeldungen sind selten, gerade auch wenn der Auftraggeber in der nächsten Runde mit Einsparungen droht – scheinbar also auch nur ein begrenztes Interesse an der erbrachten Leistung hat.

Da Spenden in erster Linie symbolische Handlungen sind, kann mit ihnen auch Anerkennung ausgedrückt werden. Förder/innen zeigen, dass sie genau diese Arbeit wollen. Sie zeigen, dass die Arbeit, die die Organisation macht, ihnen wichtig ist.

Nie vergessen werde ich die Geschichte, in der eine soziale Organisation Menschen eingeladen hat, ihre Arbeit vorzustellen. Gemeinsam ging man durch die Räume und erzählte, was wie und vor allen Dingen warum gemacht wird. Die meisten Menschen hatte noch nie einen so intimen Eindruck von den Herausforderungen bekommen. Am Ende gingen mehrere mit dem Kommentar: „Tolle Arbeit“ und steckten 50 € in die Kaffeekasse. So etwas hatten die Mitarbeiter/innen noch nie erlebt.

3. Spenden schaffen zusätzliche Freiheitsgrade

Förderungen von Stiftungen und der öffentlichen Hand sind immer zweckgebunden. Es ist in der Regel genau definiert, wofür die Mittel eingesetzt werden dürfen. Die Eihaltung dieser Vorgaben können unter der Androhung einer Rückforderung nachträglich geprüft werden.

Diese Konstruktion hat – so sehr sie aus Sicht der geldgebenden Institutionen auch nachvollziehbar ist – einen entscheidenden Haken: Diese Institutionen entscheiden, was gemacht werden darf und was nicht. Organisationen, die diese Mittel einsetzen wollen, sind also hieran gebunden – auch wenn sich vor Ort andere Prioritäten anbieten.

Will eine Organisation, Stiftung oder Sozialunternehmen hier unabhängiger sein und schneller auf neue oder veränderte Herausforderungen reagieren können, benötigt es weitere Mittel, die ein gewisses Maß an Unabhängigkeit ermöglichen.
Dies kann durch Fundraising ermöglicht werden. Wenn in einem Mission-Based Fundraising die Mission im Zentrum der Kommunikation steht, ergeben sich deutlich mehr zweckungebundene Mittel, die dort eingesetzt werden können, wo die Mission am besten erfüllt werden kann. So ergeben sich Handlungsspielräume, die sonst kaum zu realisieren sind.

4. Spenden dienen als Hebel

Gerade Zuwendungen der öffentlichen Hand, aber auch von einigen Stiftungen sehen vor, dass auf der einen Seite eigene Mittel eingebracht werden müssen und auf der anderen Seite nicht alle mit dem Projekt verbundene Kosten auch abrechenbar sind. Ohne eigene Mittel, die hier eingesetzt werden können, können diese Mittel nicht beantragt werden.

Fundraising wird damit zu einem Vehikel mit Hebelwirkung. Wenn durch das Fundraising diese Mittel bereitgestellt werden können, kann die Grundlage für die Anträge an Fördermittel geschaffen werden. Aus einer Spende kann hierüber leicht der vierfache Wert realisiert werden.

5. Spenden ermöglichen die Kommunikation der Mission

Wer langfristige Bindung schaffen will, muss die Warum-Frage beantworten und damit seine Mission kommunizieren. Mit anderen Worten: Im Fundraising geht es nicht darum, emotionale Impulse zu setzen, damit Menschen mit einer Spende reagieren. Vielmehr geht es darum, Menschen zu begeistern und Werte zu diskutieren. Denn Menschen, die begeistert sind, spenden nicht nur höhere Summen, sondern sind auch deutlich länger aktiv.

Damit kann Fundraising auch dazu genutzt werden, das Bild der Organisation, Stiftung bzw. Sozialunternehmen in der Öffentlichkeit zu schärfen. Denn es geht darum, welche Werte vertreten werden und warum diese wichtig sind. Dies schafft Orientierung und ermöglicht der jeweiligen Organisation eine Positionierung.

Fazit

Beim Fundraising geht es im Grunde kaum um Geld. Es geht um Werte, Legitimation, Anerkennung, Freiheitsgrade und Beziehungen. Und alle diese Aspekte lassen sich mit Geld ausdrücken oder symbolisieren. Fundraising ist folglich in erster Linie eine symbolische Handlung und keine ökonomische. Dies in die Planungen einzubeziehen, schafft die Basis langfristiger Beziehungen.

 

Eine nachhaltig finanzierte Zivilgesellschaft, die die Welt ein Stück besser macht und ohne Ausbeutung und Selbstausbeutung auskommt, ist die Mission von Dr. Kai Fischer. Deshalb beschäftigt er sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Aufbau langfristiger Beziehungen zu Förder/innen und bietet hierfür Strategie-Beratungen, Inhouse-Workshops und Seminare an.

 

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