Gender – Der blinde Fleck im Fundraising

Man soll es nicht für möglich halten: Männer und Frauen sind tatsächlich unterschiedlich. Sie sehen nicht nur anders aus, sie denken auch anders und vor allen Dingen: Sie verhalten sich verschieden.
Hat das eine Auswirkung im Fundraising?

Auf den ersten Blick nicht. Fundraiser und Fundraiserinnen sind aufgeklärte, akademisch gebildete Menschen, durch 30 Jahren Frauenbewegung sozialisiert, schreiben Ihre Texte geschlechtsneutral (okay, machen wir nicht immer). Es werden im Fundraising also keine Frauen benachteiligt….

Schauen wir genauer hin: Mittlerweile sind Frauen im deutschen Fundraising in der Mehrheit. Zumindest gilt dies für unseren Newsletter, der 54% Abonnentinnen hat. Das war nicht immer so, aber in den letzten Jahren haben die Frauen deutlich aufgeholt. Und wir haben auch eine Reihe von Agenturen und Fundraising-Abteilungen, die von Frauen geleitet werden – erfolgreich und zum Teil schon seit vielen Jahren.

Was sagt das?

Sehen wir die Bereiche an, wo große Etats verhandelt werden, sieht die Situation auf einmal anders aus: Jetzt sind Frauen in der Minderheit. Agenturen, Unternehmen sowie die Fundraising-Abteilungen werden jetzt von Männern geleitet. Sie sind die Experten für Mailings, Datenbank und andere großtechnische Systeme. Natürlich gibt es auch hier Frauen, die sich erfolgreich behaupten. Aber Ausnahmen bestätigen noch immer die Regel.

Und auch in vielen „großen“ Organisationen sitzen Männer im Vorstand, verantworten Etats und Umsätze. Frauen setzen um, sitzen in der zweiten und dritten Reihe und machen die erfolgreichen Projekte. Männer sitzen vor (vor allen Dingen vor den Frauen).

Wo bleiben die Frauen?

Es ist auffällig: Frauen machen Großspender-Programme, sind für Erbschaften zuständig und kümmern sich um die Betreuung der Förderer. Hier geht es um Kommunikation, direkte Interaktion zwischen Menschen (Männern und Frauen). Dies ist ein Aufgabenfeld, das gemeinhin Frauen zugeschrieben wird und in dem Frauen sich wohler fühlen.

Wer sucht sich welche Aufgaben

Fragen wir Frauen, warum sie sich für Fundraising als Berufsfeld entschieden haben, wird eins deutlich: Frauen wollen verändern, eine bessere, humanere, ökologischere und gerechtere Gesellschaft schaffen. Das sind sehr gute Motive, um im Fundraising erfolgreich zu arbeiten. Ein Motiv fehlt jedoch vielfach: Hohe Erlöse zu erzielen, Umsätze machen und viel Geld verdienen.

Die Logik der Organisationen

Für Nonprofit-Organisationen ist Fundraising gemeinhin kein Selbstzweck. Sie betreiben Fundraising, weil sie Ressourcen benötigen, um ihre Projekte zu finanzieren. Entsprechend bemisst sich die Leistung eines Fundraisers (und auch einer Fundraiserin) an den Geldern, die hereinkommen. Alles andere ist Beiwerk, nett, aber aus Sicht der Organisation nicht unbedingt zwingend. Entsprechend werden die höchsten Honorare dort bezahlt, wo im Moment die meisten Gelder eingeworben werden. Und Stellen werden mit Menschen besetzt, die versprechen, Einnahmen zu optimieren, ohne größeren Aufwand und ohne die Organisation „zu belästigen“.

Ist daran nichts zu ändern?

Was kann man tun? Müssen sich Frauen (und auch Männer), die für eine bessere Gesellschaft streiten, mit der zweiten Reihe im Fundraising zufrieden geben? Zunehmende Konkurrenz unter den Organisationen zwingt zu einem stärkeren Fokus auf den einzelnen Förderer. Großspenden- und regionales Fundraising werden an Bedeutung gewinnen. Bei gleichzeitig abnehmender Effektivität von Mailings werden auch hier in Zukunft weniger zu verdienen sein. Hiervon dürften Frauen profitieren und eine Umverteilung der Mittel steht zu erwarten. Zu den Gewinnern werden aber auch dann diejenigen gehören, die versprechen, systematisch möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Denn dies ist zumindest in den Augen vieler Vorstände nach wie vor die
Aufgabe von Fundraising – ob uns das passt oder nicht.

Damit stellt sich für Frauen (wie auch für Männer) die Frage nach dem eigenen Verständnis von Fundraising und der Bedeutung von Geld. Dies für sich selbst zu klären, dürfte die zentrale Voraussetzung sein, um höhere Einkommen zu realisieren und die entsprechenden Stellen zu besetzen.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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