5 Beobachtungen zur Corona-Krise – und welche Auswirkungen dies auf Fundraising haben könnte

Seit zwei Wochen sind wir weitestgehend voneinander isoliert und machen in der Krise eine Reihe von neuen Erfahrungen. Erste Effekte sind schon zu sehen, ohne dass wir heute schon wissen, wie sie sich langfristig auswirken werden. Aber dass sie eine Wirkung haben werden – auch auf das Fundraising – davon sollten wir ausgehen. Zu den wichtigsten Entwicklungen, die wir in den letzten Wochen gesehen haben, gehören:

1. Solidarität nimmt zu

Es ist überall zu sehen: Menschen helfen und unterstützen sich. Das betrifft nicht nur Alte und Kranke, sondern auch die, die an vorderster Front arbeiten, sich weiter den Risiken einer Erkrankung aussetzen und unsere Gesellschaft weiter am Laufen halten. Und Solidarität umfasst auch viele Künstler/innen und die Cafés und Restaurants, die uns am Herzen liegen. Überall besteht die Möglichkeit zu spenden, Gutscheine zu kaufen oder auch nur Tickets nicht zurückzugeben, um damit Unternehmen Liquidität zu geben.

So berührend und wichtig diese vielfältigen Formen der Solidarität angesichts der Krise sind, ist sie nicht umfassend. Grenzen in Europa werden geschlossen, und wie weit unsere Solidarität mit Menschen in Italien, Frankreich und den anderen Nachbarländern geht, wird sich zeigen. Im Moment scheint sie nicht sehr hoch zu sein. Und auch wie die Solidarität mit den Ärmsten in unserer Gesellschaft weitergeht, ist nicht immer klar.

Solidarität ist nicht nur eine der wichtigsten Stützen einer Gesellschaft, sondern auch eine Basis des Fundraisings. So macht die derzeitige Situation Hoffnung, dass in der Krise der Gemeinsinn gestärkt wird. Wenn diese Erfahrungen weiter anhalten, kann sich hieraus eine stärkere Basis für das Fundraising entwickeln – auch wenn die Grenzen unterschiedlicher Formen von Solidarität deutlicher werden.

2. Schnelle Digitalisierung vieler Prozesse

Was vor wenigen Wochen noch unmöglich schien, wird jetzt im Rekordtempo nachgeholt. Arbeiten im Homeoffice geht, auch wenn es nicht immer unproblematisch ist. Videokonferenzen sind an der Tagesordnung. Webinare erleben einen Boom. Wenn wir müssen, bauen wir viele Möglichkeiten einer digitalen Lebensweise in unseren Alltag ein: Wenn Geschäfte schließen, werden die Dinge online bestellt.

Dieser Prozess wird vermutlich viel länger wirken, als wir uns das im Moment vorstellen. Denn wir nutzen ja nicht nur die digitalen Möglichkeiten, sondern entwickeln auch den Umgang in diesen Räumen weiter. Was Remote-Führung bedeutet, wird gerade erprobt und gelernt. Wie Online-Beratung aussehen kann, entwickeln wir im Moment miteinander im Prozess. Und von digitaler Bildung ganz zu schweigen, wenn Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen länger geschlossen bleiben.

Diese Erfahrungen werden auch das Fundraising und die Kommunikation mit Förder/innen nachhaltig verändern. Denn die Erfahrungen, die hier gemacht werden, wirken weiter und werden sich nach der Krise nur wieder begrenzt rückgängig machen lassen. Denn auch Förder/innen werden gelernt haben, wie einfach eine Videokonferenz ist und wie gut man darüber kommunizieren kann.

3. Ressourcen sind noch vorhanden

Wir werden in eine Wirtschaftskrise schlittern. Das wird unvermeidlich sein. Wie ungemütlich es für uns wird, ist wohl von der Dauer des Lock Down abhängig. Und wenn man den Rechenmodellen der Virologen vertraut, wird der Lock Down noch sehr viel länger andauern.

Noch ist von der Wirtschaftskrise kaum etwas zu spüren. Nachdem der Staat sich entschieden hat, mit sehr viel Geld gegenzusteuern, entspannt sich die Lage etwas. Freiberufler, Künstler und kleine Unternehmen bekommen eine finanzielle Unterstützung, viele Arbeitsnehmer, die nicht mehr voll arbeiten, sind schon in Kurzarbeit.

Der Versuch, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise zu begrenzen, hat für das Fundraising einen gravierenden Vorteil: Es gibt noch Ressourcen, die mit anderen geteilt werden können. Deshalb geht auch das Fundraising weiter. Menschen spenden, Großspender und Philanthropen unterstützen mit höheren Beträgen und Stiftungen fordern gewährte Unterstützung nicht zurück. All das lässt sich beobachten und stimmt vorsichtig optimistisch.

4. Das Fundraising geht weiter

Wirtschaftskrisen sind für Fundraising immer schwierige Zeiten. Wenn Menschen weniger Geld zur Verfügung haben, besteht immer auch die Gefahr, dass weniger Geld gespendet werden kann. Aber auch Krisenzeiten haben ihre eigenen Herausforderungen und Möglichkeiten.

So steigt in Krisensituationen die Bedeutung der Förder/innen-Bindung. Denn die Kommunikation in Krisenzeiten erfüllt zwei Bedürfnisse: Auf der einen Seite wollen Förder/innen wissen, wie es mit Ihnen und den Projekten weitergeht. Und sie sind, wenn sie gut gebunden sind, auch bereit bei Engpässen zu helfen und dafür zu sorgen, dass die ihnen wichtigen Projekte und Programme nicht eingestellt werden müssen. Und auf der anderen Seite kann die gemeinsame Solidarität dazu führen, dass Sie neue Spenden einwerben können. Denn jetzt gemeinsam für wichtige Projekte einzustehen und zu helfen, ist gerade unter Krisenbedingungen eine starke Motivation zum Spenden.

Deshalb ist eines der Gebote der Stunde, die Kommunikation mit den Förder/innen zu intensivieren bzw. ihnen die Möglichkeit anzubieten, stärker in eine Kommunikation einzusteigen. Und dafür bieten sich nicht zuletzt die digitalen Kanäle und ihren vielfältigen Möglichkeiten an.

5. Die Situation normalisiert sich

Interessant ist, wie Menschen auf Krisen und Herausforderungen reagieren: In der ersten Woche sind im Grunde alle auf sich selbst zurückgeworfen. Jeder von uns muss mit der Situation klarkommen und sich orientieren. In der zweiten Woche begann wieder die Kommunikation zu Familienmitgliedern, Freunden und auch ersten Geschäftspartnern – immer mit der Frage: Wie geht es euch und seid ihr noch da. Langsam melden sich alle zurück und das Leben normalisiert sich unter neuen Bedingungen.

Damit wird sich auch das Fundraising normalisieren. Die Bedingungen sind andere und wir stehen vor neuen Herausforderungen. Aber wir werden dafür Lösungen und neue Praktiken finden. Zwischen lernenden Kindern, Haustieren und der Organisation des Alltags werden wir mit unseren Förder/innen weiter kommunizieren und gemeinsam mit ihnen Lösungen finden und Ressourcen investieren. Es wird ein paar Tage dauern, aber es wird gelingen.

Fazit

Jede Krise schafft neue Bedingungen und Herausforderungen erfordern neue Lösungen. Das ist mit der Corona-Krise nicht anders als mit allen anderen. Zunächst sehen wir den Verlust, die Einschränkungen und die Unsicherheiten, in die sie uns stürzt. Aber zum Glück haben wir viele – menschliche und wirtschaftliche – Ressourcen, die uns nicht nur helfen, die Krise zu überstehen, sondern auch Lösungen zu finden, die darüber hinaus wirksam werden. Im Moment sieht es so aus, als ob die positiven Effekte trotz aller Herausforderungen überwiegen könnten.

 

Eine nachhaltig finanzierte Zivilgesellschaft, die die Welt ein Stück besser macht und ohne Ausbeutung und Selbstausbeutung auskommt, ist die Mission von Dr. Kai Fischer. Deshalb beschäftigt er sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Aufbau langfristiger Beziehungen zu Förder/innen und bietet hierfür Strategie-Beratungen, Inhouse-Workshops und Seminare an.

 

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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