5 Möglichkeiten, einen neuen Teich zu finden

In einem Pausengespräch auf einer der regionalen Fundraising-Veranstaltungen sagte einer der am Tisch stehenden Fundraiser: „Seien wir mal ehrlich, wir fischen doch alle im selben Teich“.

An dieser Aussage ist natürlich etwas dran: Wenn über 90% der Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen Briefe verschicken, die meisten Menschen für humanitäre Zwecke spenden und die vorherrschende Gebe-Logik sich auf Solidarität bezieht, dann fischen tatsächlich alle im gleichen Teich. Da es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, den Teich zu vergrößern – es spenden in Deutschland weniger 25% der Bevölkerung – wird es an diesem Teich immer enger.

Fundraiser/innen und Geschäftsführungen bzw. Vorstände stehen damit vor einer strategischen Herausforderung: Soll ein neuer Teich gesucht werden oder ist es besser, am bisherigen Teich zu bleiben und zu auf einen größeren Fang zu hoffen? Noch haben Sie am gemeinsamen Teich die Sicherheit, dass dort Fische sind und Sie einen Fang machen können. Aber die Kosten steigen und damit bleibt vom Fang immer weniger übrig. Wann ist es an der Zeit, sich strategisch zu entscheiden, einen neuen Teich zu suchen? (Wer die Parabel der Mäuse-Strategie noch nicht kennt – lesen lohnt sich.)

Wer sich auf den Weg machen möchte: Wohin könnten Sie sich wenden? Wo könnten Teiche sein, die noch nicht leer gefischt sind? Wir haben fünf Vorschläge, welche strategischen Felder Sie noch bearbeitet können.

1. Aufbau einer Fan-Basis mit Mission-Based Fundraising

Wer systematisch über die Warum-Frage Förderer und Unterstützer mobilisiert, schafft eine Beziehung auf geteilten gemeinsam Werten und einer ähnlichen Sicht auf Herausforderungen. Gemeinsame Werte und Ziele auf Basis ähnlicher Emotionen bilden die Basis einer kollektiven Identität und schaffen die Voraussetzungen einer Bewegung. Diese wiederum bildet die Basis der Unterstützung und der finanziellen Förderung. Denn am Ende wollen alle gemeinsame Ziele erreichen und stellen hierfür Ressourcen zur Verfügung.

Was sich einfach anhört, setzt in der Praxis ein hohes Involvement aller Akteure voraus: Führungskräfte und Vorstände müssen emotional argumentieren und die Mission der Organisationen vertreten. Studien aus der Wirtschaft zeigen, dass eine Fan-Basis sich ökonomisch lohnt.

2. Aufbau eines Großspenden-Fundraisings

Gerade hat Susanne Klatten angekündigt, in den nächsten Jahren 100 Mio. € zu spenden. Das zeigt deutlich: Menschen mit einem großen Vermögen können auch in Deutschland deutlich mehr spenden.

So richtig dies auch ist, stellt sich in der Praxis immer wieder die Frage, wie Organisationen und Sozialunternehmen mit Großspendern umgehen sollen, welche Erwartungen diese an die Organisationen haben und wie die gegebenen Spenden sinnvoll – d.h. einen hohen Impact erzeugend – eingesetzt werden können. Hier scheinen auf beiden Seiten noch eine Reihe von Fragen nicht geklärt sein. Aber es könnte sich lohnen, in diesem Teich fischen zu gehen bzw. sich auf diesen Teich zu konzentrieren.

3. Systematisches, regionales Fundraising

Es gibt eine Reihe von Menschen, die spenden nur oder vorwiegend regional. Das hat gute Gründe, schließlich können Projekte und deren Wirkungen in der Region wahrgenommen werden und die handelnden Personen sind vielfach persönlich bekannt. Das schafft nicht nur Vertrauen, sondern ermöglicht auch ein Sanktionspotenzial, wenn die Versprechen nicht eingehalten werden.

Ein regionales Fundraising bedeutet dann aber auch, dass die Führungskräfte, Vorstände und Fundraiser/innen in der Region aktiv und bekannt sein müssen. Die Türen müssen geöffnet und den Unterstützern und Förderern die Chance gegeben werden, die Arbeit kennenzulernen. Und der Impact muss immer wieder deutlich werden – auch welche Vorteile die Region hieraus hat.

4. Aufbau einer Online-Unterstützer-Community

Online-Fundraising besteht nicht aus einer Website und einem Profil bei Facebook. Es reicht auch nicht aus, einfach nur eine Community zu organisieren. Es mag für die politische Arbeit des Nabu wichtig sein, eine Community zu haben, die sich für den Wolf interessiert und sich nette Fotos anschaut. Bei einem Online-Fundraising ist es wichtiger, einer Community zu haben, die hierfür auch spendet. Und das ist häufig etwas anderes.

Eine Unterstützer-Community kreist um die Frage, wie Herausforderungen gemeinsam gelöst werden können. Deshalb basieren auch viele Online-Unterstützer-Communities auf dem Mission-Ansatz, die die Grundlage für Involvement bietet. Diese Community dann aufzubauen und zu pflegen, sie regelmäßig mit Informationen zu versorgen, ist eine Herausforderung, die strategisch entschieden und systematisch umgesetzt werden muss.

5. Fundraising mit jungen Menschen

Alle Studien zeigen: Der Spendenalter beginnt eigentlich erst ab Mitte 50. Das heißt aber nicht, dass junge Menschen nicht auch spenden oder sich engagieren. Ganz im Gegenteil. Aber sie verhalten sich anders als 50 plus. Wenn sie spenden, dann deutlich aktionsorientierter.

Wer wissen möchte, wie so ein Fundraising aussehen kann, der sollte nicht versäumen, sich Viva con Aqua anzuschauen. Da wird deutlich, dass man auch ein ganz anderes Fundraising machen kann: Wenn auf einem Rock-Konzert die Pfand-Becher auf die Bühne fliegen, dann kommen durchaus einige Euros zusammen.

Fazit

Es gibt sie, die anderen Teiche oder strategischen Felder. Einige Organisationen fischen hier sehr erfolgreich. Allerdings stellt jeder Teich andere Herausforderungen und die Fische in diesen Teichen verhalten sich unterschiedlich. Wer sich also auf den Weg machen möchte, braucht eine strategische Entscheidung und die Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen und zu lernen. Dass beides Zeit und damit auch Geld kostet, liegt in der Natur der Sache. Aber Sie können natürlich auch die strategische Entscheidung treffen, am bisherigen Teich stehen zu bleiben und sich mit den anderen um die Fische hier zu streiten. Sie haben die Wahl.

 

Als Strategie-Experte berät Dr. Kai Fischer seine Kunden auch in der Erschließung neuer strategischer Fundraising-Felder und unterstützt sie darin, diese zu erschließen.

 

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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