Kommentar: Spenden in Deutschland weiter rückläufig

Ein Kommentar von Kai Fischer

Der seit einigen Jahren zu beobachtende Negativ-Trend hält weiter an: Gibt es in einem Jahr keine große Naturkatastrophe, die es bis in die Fernsehnachrichten schafft – und „Sandy“ hat die USA betroffen, was bei uns nicht zu Spendenaufrufen führt – sinkt die Zahl der Spender weiter. Wie die GfK in ihrer Marktuntersuchung zeigt: In den ersten drei Quartalen diesen Jahres um 5,5%, was bedeutet, dass 400.000 Menschen weniger gespendet haben. Und auch die Durchschnittsspende ging leicht zurück: Von 27€ auf 26€. Allerdings blieb wohl die Häufigkeit der Spenden stabil.

Hoffnungsträger: Weihnachten oder die nächste Katastrophe

Natürlich liegen jetzt alle Hoffnungen auf Weihnachten, ist das doch die Hoch-Zeit des Fundraisings. Oder sogar auf der nächsten Katastrophe, kann diese doch – so Daniela Felser vom Spendenrat – das Ergebnis schnell verändern. Die Marktforscher der GfK scheinen aber weniger optimistisch: Sie sagen einen negativen Trend voraus.

Was sind die Ursachen?

Wird es nicht langsam Zeit, systematisch nach den Ursachen zu forschen? Natürlich ist es einfach, die Rentenpolitik oder die Wirtschaftskrise hierfür verantwortlich zu machen. Aber sind das wirklich hinreichende Gründe, die seit Jahren sinkende Zahl der Spender in Deutschland zu erklären? Bei den Trends, die die GfK und der Spendenrat seit Jahren dokumentieren, handelt es sich doch nicht um Ausreißer, sondern um stetige Abwärtsentwicklungen.

Brennen wir unsere Förderer aus?

Kann es nicht einfach sein, dass wir unsere Förderer ausbrennen? Wie soll jemand damit umgehen, als „guter“ Spender vor Weihnachten 150 Spendenbriefe zu bekommen, die alle das Leid dieser Welt dokumentieren? Wie erleben wohl Menschen Straßenwerbung, vor der sie ausweichen, weil sie nicht angesprochen werden wollen? Verbessert dies unser Image oder sind wir froh, dass sich ein eventueller Kollateralschaden noch nicht in der Bilanz wiederfindet? Dann könnte das effektive und effiziente „Instrument“ vielleicht gar nicht mehr so effektiv und effizient sein.

Zeit, umzudenken

Mir scheint es so zu sein, dass wir mit unserem instrumentellen Verständnis von Fundraising unsere eigene Unterstützer-Basis ausbrennen. Manchmal kommt mir Fundraising so vor wie die Brandrodungen im Urwald: Kurzfristiger Erfolg wird der langfristigen Sicherung des Überlebens aller geopfert. Mit dem gleichen Ergebnis hier wie dort: Die Erträge gehen zurück, bis irgendwann alles ausgedörrt ist. Vielleicht sollten wir uns über Weihnachten die Zeit nehmen und darüber nachdenken, was im deutschen Fundraising wohl schief läuft.

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Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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