Mehr als nur Show – Inszenierung von Nonprofits

Teil 2 der Serie zum Fundraising für regionale Organisationen

So gut möchte ich es auch einmal habe, entgegnete mir die Leiterin des Fundraisings einer Entwicklungshilfe-Organisation. Wir waren über Inszenierung von Nonprofits ins Gespräch gekommen und sie sehnte sich nach den Chancen, die regionale Organisationen dabei hätten. Ihr steht vor allem die mediale Kommunikation über Brief und Internet zur Verfügung, um Spender zu erreichen. Nur Großspendern kann sie die Projekte persönlich zeigen, das bringt enorm viel, ist aber sehr aufwändig. Genau darin liegt aber die Chance regionaler Organisationen: Sich mit wenigen einfachen und vor allem kostengünstigen Mitteln mit möglichst allen Sinnen erlebbar zu machen.

Warum Sie um Inszenierung nicht herum kommen

Warum ist das Spender wichtig? Im Gegensatz zu den Mitarbeitern wissen die wenigsten Spender was Ihre Organisation eigentlich ausmacht, welche gesellschaftliche Aufgabe sie bearbeiten und was sie dabei genau tun und welchen Erfolg Sie haben. Daher fällt es den Spendern schwer, sich mit Ihnen zu identifizieren. Wenn sie spenden, dann meist aus einem solidarischen Appell heraus. Nur können die wenigsten Organisationen auf die nächste Katastrophe warten, um ihre Arbeit dauerhaft zu finanzieren, oder haben überhaupt die Möglichkeit, über Solidarität zum Spenden aufzurufen. Denken sie z.B. an Kultur, Bildung, Umweltschutz, Gesundheit – was müssen dort für kommunikative Klimmzüge gemacht werden, um zum solidarischen Handeln aufzufordern?

Was brauchen Spender, um sich mit Ihrer Organisation identifizieren?

Welche Möglichkeit haben Sie also jenseits von Solidaritätsappellen zum Spenden aufzurufen? Es geht häufig nur über die Mission. Sie schafft für den Spender die Brücke zu Ihrer Organisation und Ihren Projekten. So funktioniert es bei den oben erwähnten Großspendern. Sie identifizieren sich mit der Organisation, machen sich die Mission und die Ziele zueigen und generieren für sich Sinn. Dass das bei Großspendern so gut klappt, liegt daran, dass sie viel tiefer eintauchen in die Arbeit der Organisation. Ihnen wird mehr erklärt, sie gewinnen eine eigene Anschauung, in dem Sie z.B. ein Projekt in Afrika besuchen und vielfach machen sie selbst mit und legen Hand an. Für Großspender lohnt sich häufig der Aufwand, den eine Organisation damit hat.

Wie regionale Organisationen sich in Szene setzen können

Als regionale Organisation haben sie aber genau diese Möglichkeiten auch, ohne dass sie z.B. teure Reisen organisieren müssen. Bei Ihnen liegen die Projekte ja quasi auf der Straße. Sie können Ihre Mission anschaulich machen, Ihre Arbeit präsentieren und den Nutzen von Spenden aufzeigen. Das verstehen wir unter Inszenierung – jenseits der großen Show.

Was ist dazu nötig? Gar nicht viel, denn das wesentliche haben Sie schon an Bord: Ihre Mission. Nur müssen sie sie in allen Arbeitsbereichen und in allen Ihren kommunikativen Maßnahmen durchscheinen lassen. Und zwar nicht nur in den klassischen Medien, wie Flyer, Plakate etc. Es fängt schon beim Sitz Ihrer Organisation an, besonders dann, wenn Sie im Rahmen von regionalem Fundraising zu einem Tag der offenen Tür einladen. Passen die Räume und die Ausstattung zu Ihrer Mission. Oft sind es Details, die aus dem Rahmen fallen, zum Beispiel verwelkte Blumen in den Fenstern eines Kindergartens. Oder die Beschilderung. Wie oft sind gerade Nonprofits so schlecht oder gar nicht ausgeschildert. Auch Farben aus dem CD finden sich nicht wieder oder werden von anderen Farbzusammenstellungen konterkarriert.

Eine andere verschenkte Möglichkeit zur Inszenierung sind Mitgliederversammlungen. Gerade regionale Organisation leben zu einem Großteil von Mitgliedseinnahmen. Also muss m,an etwas tun, um die Mitglieder zu binden und für die Organisation zu begeistern. Die meisten Mitgliederversammlungen sind aber sterbends langweilig. Genauso wie der Jahresbericht. Lassen Sie die Mission durchscheinen und mit ein bisschen mehr Kreativität werden beide zu wichtigen Formaten für Mitglieder, Förderer, Kooperationspartner und anderen Stakeholdern.

Und dann gibt es natürlich noch die klassischen Orte der Inszenierung: Messestände, Vorträge, Infoveranstaltungen, Spenderevents. Wichtig ist hier vor allem der Infotainment-Anteil: Erklären Sie, was sie warum tun, geben Sie Beispiele der durch Sie bewirkten Veränderungen und schaffen Sie Möglichkeiten, etwas mitzuerleben. Dabei sind alle Sinne angesprochen: Hören, Sehen, Riechjen, Schmecken, Fühlen…

Ein Beispiel für gelungene Inszenierung

Dazu zum Schluss ein reales Beispiel: Eine Veranstaltung zum 10-jährigen Jubiläum einer Tafel. Das Event wurde im Warenverteilzentrum gefeiert. Hier gibt es viel zu sehen. An jeder Station – dem Wareneingang, der Verteilung, dem Lager und der Warenausgabe gab es Infostände und Mitarbeiter, die die jeweilige Arbeit in den Mission-Kontext einordneten. Außerdem hatten die Gäste die Gelegenheit mitzuhelfen: Waren aus einem Transporter auf die Förderbände legen, die Ware sortieren, ins Lager oder zur Ausgabe bringen. Natürlich gab es auch die üblichen Grußworte, aber die Gratulanten wurden gebeten, ihre eigenen Erfahrungen mit der Tafel zu schildern. Als Catering gab es Wasser und Brötchen. So konnte die Tafelarbeit auch sinnlich erfahren werden. Alle Mitarbeiter trugen die für die Ausgabestellen typischen grünen Schürzen und schon ihre beträchtliche Anzahl machte Eindruck. Eingeladen waren die Förderer, Kooperationspartner, Vertreter der Kommune und alle die, die sich für die Tafelarbeit interessieren. Ihnen wurde durch diese Inszenierung erst klar, welche logistischen Aufgaben eigentlich jeden Tag in der Tafel geleistet und wofür die Spendengelder eingesetzt werden.

Wenn Sie mehr zum Thema Inszenierung wissen möchten, melden Sie sich zu unseren kostenlosen Mission-Based Basics zum Thema "Inszenierung" an. Oder vereinbaren Sie einen individuelles Erstberatungsgespräch.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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