Raus aus dem Tabu: Fundraiserinnen und Macht

Manchmal sind es nicht die eigentlichen Aufgaben, die Stress machen. Sondern diejenigen Situationen halten uns in Atem, die wenig greifbar sind: die Dinge „zwischen den Zeilen“, diffuse Kommunikation, Entscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind. Ahnen Sie, was ich meine? Hier sollen solche betrachtet werden, bei denen Macht eine Rolle spielt.

In allen sozialen Bezügen gibt es Ungleichgewichte. Sie reichen von Sympathieunterschieden über Unterschiede darin, wem häufiger Recht gegeben wird oder wer bestimmt, was in Ordnung ist und was nicht bis hin darüber zu befinden, wer dazu gehört und wer nicht. Treten zu diesen Unterschieden noch Abhängigkeiten (insbesondere von Ressourcen) hinzu, entstehen Situationen, die von Macht durchzogen sind. Solche bereiten uns häufiger Kopfschmerzen.

Wir wollen herausstellen, dass wir hier Macht nicht als persönlich verursachtes Verhältnis betrachten, sondern hier geht es um die strukturellen Ursachen von Verhältnissen, die als Macht wahrgenommen werden. Bei Fundraiserinnen hat das Thema Macht eine besondere Brisanz, weil sie in ihren professionellen Aufgaben in besonderen Interaktionen handeln.

Fundraiser und Macht: beispielhafte Dilemmata

Einige übliche Konstellationen können für FundraiserInnen belastend sein. Das trifft sowohl freiberufliche als auch angestellte FundraiserInnen.

  • Häufig hat Fundraising eine zwiespältige Bedeutung in Organisationen. Einerseits soll Fundraising womöglich sehr schnell Geld einbringen. Andererseits wird ihm nicht die Stellung in der Organisation gegeben, die es dafür braucht. Sprich: Erwartungen und Möglichkeiten widersprechen sich. Werden an den Erfolg Konsequenzen gebunden, womöglich eine Weiterbeschäftigung, dann ist es nicht mehr weit zu Machtdifferenzen.
  • FundraiserInnen sind neben vielen anderem Kontaktarbeiter und Beziehungsarbeiter gegenüber Personen und Institutionen, die außerhalb der Organisation stehen. Zwangsläufig verknüpfen FundraiserInnen diese verschiedenen Logiken: die organisationsinternen mit den externen. Wenn innerhalb der Organisation -vielleicht sogar seitens der Führungskräfte- die organisationsexternen als eher befremdlich bewertet werden, dann erzeugt dies Druck.

Fundraierinnen und Macht: doppelte Dilemmata

  • Es ist nicht unüblich, dass Fundraiserinnen der Zugang zu potenten Netzwerken, die für regionales Fundraising essentiell sind, nicht möglich ist. Oder wenn sie sich in einem Netzwerk bewegen, das durch männliche Muster gestrickt ist, kann es Frauen unmöglich sein, Fundraising zu betreiben. Wird das organisationsseitig und gegenseitig nicht anerkannt, entstehen merkwürdige Situationen.
  • FundraiserInnen gestalten mehr oder weniger direkte und langfristige Beziehungen zu Förderern. Diese sind von Abhängigkeitsverhältnissen durchzogen: Denn Förderer geben, ohne einen adäquaten Ausgleich zu erwarten und zu bekommen. Der Interessensausglich - wie bspw. Reputation - ist ein völlig anders gearteter als der Ausgleich zwischen Leistung bzw. Ware gegen Geld. Insbesondere FundraiserInnen, die enge Beziehung zu ihren Spendern aufbauen, haben dadurch mit einem Gefälle zu tun. Die Praxis zeigt, dass Genderaspekte dabei eine verstärkende Rolle spielen. Dafür besteht in aller Regel wenig Aufmerksamkeit bzw. gibt es wenig Support seitens der Organisation.

Diese speziellen Herausforderungen werden üblicherweise in Organisationen nicht gesehen geschweige denn gelöst. Unserer Beobachtung nach verstärken sich die genannten Aspekte dadurch, dass das Thema Macht wird in zivilgesellschaftlich engagierten Organisationen häufig tabuisiert wird. Damit entstehen Effekte, die einen professionellen Umgang mit Macht und Ungleichgewichten erschweren.

Es scheint so, dass gerade Frauen einen eher zögerlichen Zugang zu Machtthemen haben. Es geht nicht darum, sich dem Spiel mit der Macht zu bedienen, sondern zunächst einmal darum, sich zurecht zu finden. Das ist die Voraussetzung, um einen eigenen und selbstbestimmten Umgang bei Machtspielen zu entwickeln.

Dies ist Anliegen des Seminars: Frauen und Macht im Berufsleben. Fundraiserinnen sollen Wissen zum Thema Macht erwerben und Entlastung für eigene herausfordernde Situationen bekommen. Eigene Stärken und Spielräume zu entdecken, kompetent und selbstsicher zu bleiben, auch in herausfordernden Situationen oder Machtstrukturen, ist Anliegen des Tagesseminars am 07.11. in Hannover, das Mission-Based Consulting in Kooperation mit dem Institut für Bildung und Beratung durchführt. Melden Sie sich gern an: jutzi@mission-based.de und kommen Sie gern mit Ihren eigenen Erfahrungen und Herausforderungen.

 

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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