Rezension Mythos Businessplan

Stefanie Kunze/ Arne Offermanns: Mythos Businessplan. Vom blinden Glauben an ein einzelnes Instrument und möglichen Alternativen. Wiesbaden: Springer, 2016, Preis: 39,99 €

Nimmt die Bedeutung von Investoren im Dritten Sektor weiter zu, dann werden sich immer mehr Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen nicht nur um Wirkung, sondern auch um Businesspläne kümmern. Denn niemand will in ein wirksames Projekt investieren, welches sich langfristig nicht rechnet, bzw. nicht die notwendigen Einnahmen nachhaltig erzielen kann. Damit sei die Prognose gewagt: Das Erstellen von Businessplänen für neue Projekte, Programme und die gesamte Organisation wird – wie bei Unternehmen auch – eine zentrale Aufgabe des  Managements von Nonprofit-Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen.

Businesspläne als Basis von Investitionsentscheidungen

Für den kommerziellen Sektor konstatieren Kunze und Offermanns die zentrale Bedeutung von Businesspläne für Investitionsentscheidungen. Viele Akteure – vor allen solche, die mit staatlichen oder halbstaatlichen Geldern umgehen – machen eine Investitionsentscheidung oder die Förderung eines neuen Vorhabens vom Businessplan abhängig.

Hier setzt Ihre Kritik am Instrument „Businessplan“ an. Sie argumentieren, dass mit einem Businessplan viele Aspekte, die für den Erfolg einer Gründung wichtig sind, nicht hinreichend abgebildet werden. Wie innovative Produkte und Leistungen entstehen, wird in einem Businessplan ebenso wenig behandelt wie grundlegende strategische Fragen, die mittelfristig für den Erfolg von großer Bedeutung sind. Hierfür haben sich – und da ist den Autoren durchaus recht zu geben – andere Verfahren – vom Design Thinking über den Geschäftsmodell-Canvas oder auch die Eroberung blauer Ozeane – etabliert. Was bleibt dann noch für den Businessplan übrig?

Lohnt sich ein Investment?

Natürlich argumentieren die Autoren auch nicht gegen den Businessplan, sondern eher für eine gezieltere Anwendung. Dem ist zuzustimmen, auch wenn sie meiner Ansicht nach die Bedeutung eher zu gering einschätzen. Denn nach wie vor ist ein Businessplan ein gutes Dokument, um Durchzuspielen, ob sich ein Investment überhaupt lohnt. Häufig kann man sehen, wo Lücken und Inkonsistenzen in der Planung sind, was noch nicht berücksichtigt wurde und wie sich ein neues Vorhaben „rechnen“ könnte (nicht zwingend muss, da die Zukunft immer offen ist). Für die Entwicklung neuer Ideen und auch neuer Geschäftsmodelle eignen sich andere Methoden besser. Allerdings ermöglichen sie selten am Ende das Abschätzen von Umsätzen und Kosten.

In unseren Projekten arbeiten wir gern mit Businessplänen, zeigen sie doch erst, in welchen Größen man Projekte und Programme denken muss, damit am Ende auch die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen – oder ob man besser gleich das Vorhaben fallen lässt, weil es in dieser Dimension nicht zu bewältigen ist.

Das Buch von Kunze und Offermanns ist kein Ratgeber für das Erstellen von Businessplänen (nutzen Sie dafür gern unser White Paper), sondern eine Auseinandersetzung mit dem Konzept „Businessplan“ und was es leisten kann. Gut nutzen kann es jeder, der wissen möchte, was dies Instrument leistet und welche alternativen Planungsmethoden es noch gibt.

Weitere Informationen zum Buch – ebenso wie die Möglichkeit, es zu bestellen –, finden Sie auf den Websites von amazon und des Verlags.

 

Dr. Kai Fischer ist geschäftsführender Partner von Mission-Based Consulting und berät seit 20 Jahren zu Fragen der nachhaltigen Finanzierung. Dabei erarbeitet er mit seinem Kunden auch Businesspläne, Geschäftsmodelle und hilft bei der Positionierung. An der HWR Berlin unterrichtet er „Businessplanning für Nonprofits“, o er mit den Studierenden Geschäftsmodelle und Businesspläne für Nonprofit-Organisationen und Sozialunternehmen erarbeitet.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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