Spenden ohne Zweckbindung – wie das möglich ist

Immer wieder ist zu hören: Förderer wollen für ein konkretes Projekt spenden. Sie wollen wissen, wofür ihr Geld verwendet wird und wie es konkret wirkt. Für die meisten Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen bedeutet dies: Spenden sind für die Projekte zweckgebunden und dürfen nur unter engen Grenzen für andere Zwecke und Aufgaben eingesetzt werden.

Dies ist für viele Organisationen mit zwei Herausforderungen verbunden:

  • Mit zweckgebundenen Spenden kann man nur eingeschränkt die Verwaltung finanzieren. Während die Verwaltung der Spenden und das Projektmanagement noch zum Projekt selbst gerechnet werden können, wird es mit allgemeineren Aufgaben, die auch erledigt werden müssen, schon schwieriger.
  • Da sich nicht alle Projekte gleich gut für einen Spendenaufruf eignen, werden einige Projekte gut finanziert und für andere, die aber auch wichtig sind, stehen kaum Ressourcen zur Verfügung. Häufig ist dies für Kampagnen-Arbeit der Fall, die zwar wichtig, aber im Fundraising nur schwer zu finanzieren ist. Zweckgebundene Mittel können zu Verteilungsproblemen zwischen den Projekten führen.

Die Lösung für dieses Problem ist relativ einfach und liegt im Fundraising-Ansatz. Denn in einem Mission-based Fundraising tritt eine Zweckbindung nur selten auf. Denn in diesem Fundraising-Ansatz wird die Beziehung zu den Förderern nicht über das Projekt, sondern die gemeinsame Mission – und damit über geteilte Werte und Normen – hergestellt.

Im herkömmlichen Fundraising-Ansatz stehen die Bedürfnisse der Empfänger im Zentrum des Fundraisings: Kinder benötigen Bildung, Arme Lebensmittel und Frauen und Männer müssen unter Umständen vor Gewalt geschützt werden. In allen diesen Fällen ist das Spenden eine solidarische Handlung mit den Menschen und Tieren in einer konkreten Notsituation, in denen ihnen geholfen werden muss. Dies wiederum basiert auf einer starken sozialen Norm, die für das Funktionieren unserer Gesellschaften zwingend notwendig ist und ohne die Gesellschaften zerfallen würden.

Die Beziehung besteht im gemeinsamen Helfen, und Förderer wollen wissen, wie ihre Ressourcen eingesetzt wurden und wie den Menschen und Tieren in Not geholfen wurde – und wie sich ihre Situation verbessert hat. Und sie geben konkret für den Fall, wo sie um Hilfe gebeten wurden. Aus beiden Gründen sind aus Sicht der Förderer ihre Spenden zweckgebunden, weil sie konkret die Lage der Menschen und Tiere in Not verbessern soll. Sie für einen anderen Zweck oder eine andere Aufgabe einzusetzen, heißt, diesen Menschen und Tiere in Not Ressourcen vorzuenthalten. Dies entspricht nicht der Gebe-Logik der Spender.

Im Mission-based Fundraising geht es weniger um Menschen und Tiere in einer konkreten Notsituation, sondern um die Verbesserung bzw. Veränderung einer sozialen Situation. Es geht um den Missstand, der hinter der Not steht. Um beim Beispiel von Menschen in Armut zu bleiben: Es geht nicht um den konkreten Hunger, sondern um die Empörung, dass Menschen überhaupt hungern müssen – in einer Welt, die jeden Tag große Mengen Lebensmittel vernichtet.

Dies bedeutet die Verschiebung des Fokus vom hungernden Menschen hin zum sozialen Problem des Hungerns in einer Welt des Überflusses. Es geht nicht so sehr um die Not des Einzelnen, sondern um den sozialen Missstand des Hungerns und damit um die Verletzung sozialer Werte wie Gerechtigkeit.

Verbunden mit dieser Verschiebung des Fokus ist eine andere Wahrnehmung und Einschätzung des Problems und damit auch ein anderes Gebe-Verhalten: Wenn es um die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit geht, dann ist das einzelne Projekt nur noch ein Meilenstein auf dem gemeinsamen Weg. Dieser weist deutlich über das Projekt bzw. Notsituation hinaus. Und damit wird die Spende zur Erfüllung der Mission (Beendigung des Hungers) gegeben und nicht mehr ausschließlich für das Projekt. Für die Organisation bedeutet dies, dass Spenden für den gesamten Zweck bzw. die Mission eingesetzt werden können. Sie sind weitgehend ohne Zweckbindung.

Dies ist aus Sicht der Förderer folgerichtig: Es geht ihnen um die Mission, die sie unterstützen und für die sie geben. Damit die Mission erfüllt werden kann, entwickelt die Organisation Projekte und Programme. Diese sind – ebenso wie eine notwendige Verwaltung und das Fundraising selbst – notwenige Aufgaben, um die Mission zu erfüllen. Deshalb ist es aus Sicht der Förderer auch sinnvoll, Spenden für alle Aufgaben einzusetzen und die Wirkung der Organisation zu vergrößern.

Damit gilt: Ob Sie und Ihre Organisation Spenden ohne Zweckbindung erhalten, ist wesentlich davon abhängig, welchen Fundraising-Ansatz Sie nutzen und warum Förderer Ihnen spenden.

 

Seit etwa 10 Jahren adaptiert Dr. Kai Fischer den Mission-based Ansatz aus den USA für Deutschland. Mit ersten Kunden hat er entsprechende Projekte aufgesetzt und entwickelt mit mehreren Kunden derzeit Fundraising-Strategien, die auf dem Mission-Ansatz basieren.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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