Warum das Spendenvolumen trotz Pandemie gewachsen ist

Wenn sich die ersten Zahlen bestätigen, die zurzeit kursieren, dann ist das Spendenvolumen trotz der Pandemie gewachsen. Insgesamt wurde ein deutlich größerer Betrag zur Verfügung gestellt.

Die Situation ist uneinheitlicher

Dies ist am Ende eines außergewöhnlichen Jahres eine gute Nachricht. Wenn man sich die Zahlen jedoch genauer anschaut, ist es differenzierter. Auch wenn insgesamt mehr gespendet wurde, bedeutet dies nicht, dass auch alle Organisationen mehr bekommen haben. Viele Formen des Fundraisings, die auf Veranstaltungen, Events aufsetzen und wie Kollekten an Gottesdienste mit einer Begegnung in der Kirche verbunden sind, fielen aus. Auch Unternehmen haben – die Wirtschaftskrise vor Augen – in diesem Jahr weniger gespendet. Und Stiftungen konzentrieren sich in Krisensituationen stärker auf ihr bestehendes Engagement und weiten ihre Förderung seltener aus. Mit anderen Worten: Die Situation ist uneinheitlicher, als die Zahlen suggerieren, auch wenn es natürlich positiv ist, dass insgesamt mehr gespendet wurde.

Nicht alle Spender*innen sind von der Wirtschaftskrise betroffen

Um die Ausgangsfrage zu beantworten, warum das Spendenaufkommen steigt, muss man sich anschauen, wer wie stark von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie betroffen ist. Da die „besten“ Spender*innen zur Generation der über-70jährigen gehören, sind sie von den wirtschaftlichen Auswirkungen zunächst am wenigsten betroffen. Transferleistungen wie Renten und Pensionen werden weiterhin in voller Höhe gezahlt. Entsprechend haben sie im Moment kaum einen Grund, ihre Spenden zu vermindern. Wie sich hingegen die Übersterblichkeit, von der die Älteren überproportional betroffen sind, langfristig auswirken wird, kann im Moment jedoch noch nicht überblickt werden.

Hinzu kommt, dass die Wirtschaftskrise die Mitte der Gesellschaft noch nicht erreicht hat. Besonders stark betroffen von den Lockdowns sind der Tourismus, Restaurants, Clubs, Museen und Veranstaltungen usw. Und in diesen Fällen trifft es die Unternehmer*innen und Soloselbständigen am stärksten. Da aber die weit überwiegende Mehrheit der Menschen angestellt arbeitet, greifen hier noch die staatlichen Unterstützungen und das Kurzarbeitergeld. Trotz Einschränkungen und einer potenziell drohenden Arbeitslosigkeit sind die finanziellen Einbußen noch nicht so stark, dass sich sehr viele Menschen zurücknehmen und ihr Spenden herunterfahren müssen.

Menschen können weniger konsumieren

Schließlich können wir alle in diesem Jahr weniger konsumieren: Restaurants und Cafés sind geschlossen, Konzerte ausgefallen und in den Urlaub konnten wir auch nicht wie gewohnt. Was auf der einen Seite zu erheblichen wirtschaftlichen Ausfällen führt und deshalb staatlich gestützt werden muss, bedeutet auf der anderen Seite, dass dieses Geld auch nicht ausgegeben werden kann. Damit steht unter Umständen trotz Pandemie und Wirtschaftskrise ein größerer Betrag für Spenden zur Verfügung.

Die Wirkung der Solidarität

Neben diesen ökonomischen Argumenten gibt es einen weiteren Punkt: Die Solidarität mit Menschen – und Organisationen – in einer konkreten unverschuldeten Notsituation. Diese Norm der Solidarität hat sich schon im ersten Lockdown deutlich gezeigt: Menschen haben nicht nur für Organisationen und Sozialunternehmen gespendet, sondern auch für Cafés, Restaurants und Clubs. Sie haben damit einen Beitrag geleistet, damit diese für sie wichtigen Einrichtungen erhalten bleiben und weil sie sich empathisch in die Besitzer*innen und Betreiber*innen hineinversetzen konnten.

Dieselbe Norm greift auch bei zusätzlichen Spenden und anderen Formen von Unterstützungen für Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen: Förder*innen wollen, dass die Hilfe weitergeht, dass ihnen wichtige Organisationen die Krise überleben und danach wieder durchstarten können. Denn wir können und wollen es nicht akzeptieren, dass die notwendige gesellschaftliche Infrastruktur in einer Krise zusammenbricht. Diese Form der Solidarität zeigt sich dann in zusätzlichen Spenden.

Damit es zu diesen zusätzlichen Spenden kommt, müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein: Wir spenden nur, wenn uns die jeweilige Organisation bzw. ihr Thema am Herzen liegt und wir davon wissen, dass zusätzliche Mittel benötigt werden.

Die Qualität der Beziehungen

Der erste Punkt verweist auf die Qualität der Beziehung, die aufgebaut werden konnte. Wem es gelungen ist, Menschen für die eigene Mission zu begeistern und auf dem Weg, gemeinsam die Welt ein Stück besser zu machen, mitzunehmen, dem gelingt es auch einfacher, in einer Krisensituation zusätzliche Mittel zu gewinnen. Je stärker die Beziehung über die Mission, desto wichtiger wird die jeweilige Organisation aufgrund geteilter Werte und gemeinsamer Ziele für die Spender*innen. Dies hat zur Folge, dass Fundraiser*innen in Zukunft verstärkt schauen sollten, wie sie die Qualität der Beziehungen verstärken können. Dies ist eine der Aufgaben, die sich aus der Pandemie für das Fundraising ergeben.

Kommunikation von Bedürftigkeit

Der zweite Punkt betrifft die Kommunikation mit den Förder*innen. Eine Krisensituation ist eine der wenigen Ausnahmen, in denen Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen im Fundraising über ihren Bedarf sprechen müssen. Üblicherweise gilt, dass Spendende ein positives Ziel benötigen, das mit ihrer Spende erreicht werden kann. Bedürfnisse von Organisationen – obwohl sie in der Regel der Anlass für Fundraising sind – sind für Geber*innen vollkommen uninteressant und wenig inspirierend. In einer Krise gilt dies nicht, denn Solidarität kann nur dann geübt werden, wenn jemand seine Notlage offenbart (oder von einem Dritten offenbart wird). Dann sind viele Menschen auch zur Solidarität bereit.

Fazit

Auch wenn die Pandemie für die meisten Organisationen eher glimpflich zu verlaufen scheint, ist die Pandemie auch für das Fundraising noch nicht ausgestanden. Wir wissen noch nicht, wie sich die abzeichnende Krise auf das Fundraising durchschlagen kann. Wenn tatsächlich viele Menschen entlassen und Unternehmen wieder in die Insolvenz gehen, kann sich die Situation auch noch wenden. Bisher sieht es so aus, als ob wir uns auf die Solidarität vieler Menschen verlassen können. Dies ist nicht nur für Weihnachten ein ermutigendes Zeichen.

 

Eine nachhaltig finanzierte Zivilgesellschaft, die die Welt ein Stück besser macht und ohne Ausbeutung und Selbstausbeutung auskommt, ist die Mission von Dr. Kai Fischer. Deshalb beschäftigt er sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Aufbau langfristiger Beziehungen zu Förder/innen und bietet hierfür Strategie-Beratungen, Inhouse-Workshops und Seminare an.

 

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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