Wie sich Spenden langfristig ändert

Häufig fehlen die Daten, um langfristige Trends im Fundraising abschätzen zu können. Forscher der University of Bristol und der Cass Business School, London, haben jetzt erste Zahlen zur Entwicklung des Fundraisings in Großbritannien über die letzten 30 Jahre vorgelegt.
Welche Rolle spielen Rezessionen?

Eine der sicherlich spannendsten Fragen ist die der Rolle von Rezessionen. Da Auf- und Abschwung sich in 30 Jahren mehrfach abwechseln, können mit Hilfe ihrer Daten die Effekte von Rezessionen auf das Fundraising abgeschätzt werden. Über alle Organisationen lässt sich feststellen, dass die während der Aufschwung-Phasen auch die Spendeneinnahmen britischer Organisationen stark wachsen. Bei den anschließenden Abschwüngen gehen zwar auch die Spendeneinnahmen zurück, diese Rückgänge sind aber eher moderat. So ist gut zu sehen: Einnahmen im Fundraising zeichnen die wirtschaftliche Entwicklung nach, die Spenden brechen aber in der Rezession geringer ein. Insgesamt ist ein Wachstum der Einnahmen zu verzeichnen.

Verschiebung zu Alten und Vermögenden

Ebenso deutlich zeigen die Daten, dass sich in den letzten Jahren Verschiebungen zu Alten (über 60) und Vermögenden stattgefunden haben. Je älter die Menschen werden, desto höher ist der Prozentanteil der Spenden an ihren Ausgaben. Und das oberste Prozent der Spender in Bezug auf die Spendenhöhe sorgt heute für 25% aller Spenden-Einnahmen. Eine Steigerung von 5% der Einnahmen innerhalb der letzten 25 Jahre. Allerdings gilt auch für Großbritannien: Je ärmer die Haushalte, desto höher sind ihre Spenden in Bezug auf ihre Gesamtausgaben.
Abnahme der spendenden Haushalte bei steigenden Einnahmen der Organisationen

Obwohl auch in Großbritannien die Umsätze im Fundraising insgesamt gestiegen sind, ist die Anzahl der spendenden Haushalte bis zum Jahr 200 rückläufig und seitdem konstant. Die Steigerungen sind deshalb ausschließlich auf höhere Spenden der spendenden Haushalte zurückzuführen. Sie haben ihre Spenden mehr als verdoppelt. Der Anteil an ihren Ausgaben stiegt von einem Prozent 1978 auf 1,7% in 2008; mit einer Spitze 2000. Allerdings gilt dies nur von spendende Haushalte. Bezogen auf alle Haushalte blieb der Anteil der Spenden an den Gesamtausgaben der Haushalte erstaunlich konstant: Im Mittel spenden alle Haushalte über die letzten 30 Jahre 0,4% ihrer Ausgaben.

Männer und Frauen

Für Großbritannien kann die Studie zeigen, dass Ein-Personen-Haushalte von Frauen über die letzten 30 Jahre immer spendenfreudiger waren als Ein-Personen-Haushalte von Männern. Gerade in den letzten Jahren hat sich dabei die Schere noch stärker auseinander entwickelt. Ab Mitte der 90er Jahre wenden Ein-Personen-Haushalte von Männern einen zurückgehenden Anteil an ihren Ausgaben für Spenden aus. Der Anteil der Spenden von den Gesamtausgaben von weiblichen Ein-Personen-Haushalten bleibt hingegen zunächst konstant und wächst in den letzten Jahren. Dieser Effekt ist aber auch mit dem Alter verbunden: Menschen über 60 haben in den letzten Jahren den Anteil der Spenden an ihren Ausgaben kontinuierlich gesteigert. Seit wenigen Jahren haben dabei die Frauen die Männer überholt. Sie sind heute generöser und geben einen geringfügig höheren Anteil an ihren Haushaltsausgaben.

Fazit

Die Langzeituntersuchung zeigt für Großbritannien einen Trend, der auch in Deutschland verschiedentlich berichtet wurde: Das Spenden ist weiblicher geworden und verschiebt sich hin zu den Älteren und Reicheren, die für das Wachstum im Fundraising verantwortlich sind – auch wenn die Ärmeren einen höheren Anteil an ihren Ausgaben geben.

Dies bildet zwar eine Entwicklung ab, sagt aber wenig über die Gründe aus. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass die beobachteten Effekte durch das Fundraising erst erzeugt wurden. Wenn sich Fundraising in seiner Ansprache und den von ihnen eingesetzten Medien auf Reichere und Ältere konzentriert, dann ist es geradezu logisch, dass in diesen Bereichen Wachstum zu verzeichnen ist, während andere Spendengruppen weniger gut erreicht werden. Zusätzliche Untersuchungen, die den Effekt des Fundraisings selbst auf die Spenden-Ergebnisse darstellen, sind überfällig und dringend notwendig, um Potenziale und Möglichkeiten besser abschätzen zu können

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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