Wird es in Zukunft mehr Kooperationen geben?

„Stiftungen in der Stadt – Impulsgeber für das Gemeinwesen vor Ort“ so lautete das Motto des Stiftungstags 2010 des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen vom 5. bis 7. Mai 2010. Was sind die wegweisenden Themen? Welche Rolle spielen Stiftungen im Dritten Sektor? Als ein Querschnittsthema haben wir den Trend zu vermehrter Kooperation herausgelesen.

Mit über 1.500 Teilnehmern feierte die Stiftungswelt sich in Frankfurt selbst: Eröffnung in der Paulskirche, Empfang im Römer, Preisverleihung in der Alten Oper. Man kennt sich und freut sich auf ein Wiedersehen. Neben den Festreden gab es auch viel Substanzielles. Das Motto „Stiftungen in der Stadt“ lud zu vielfältigen Betrachtungsweisen der Stiftungsarbeit ein. Dabei tauchte das Stichwort "Vermehrte Kooperationen suchen" immer wieder auf und war für mich das heimliche Motto dieses Stiftungstages.

Kooperationen

Das Thema Kooperationen stand bei vielen Diskussionen im Mittelpunkt, so z.B. bei der Initiative „Lernen vor Ort“, in der das Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit deutschen Stiftungen Anreize für Kommunen schafft, ein Bildungsmanagement vor Ort zu entwickeln. Die Stiftungen bringen dabei ihre lokalen Netzwerke, fachliche Kenntnisse in der Bildungsarbeit ein, um die Kommunen vor Ort bei der Verwirklichung ihres Bildungsmanagements unterstützen.

Mehr Schulterschluss unter den Stiftungen?

Noch einen Schritt weiter ging der Ansatz von Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung in dem Sie bei Ihrem Vortrag „Gemeinsam stark – Warum Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft zusammenarbeiten müssen.“ alle drei Sektoren zur Kooperation aufrief. Inhaltlich eigentlich nichts Neues, aber es scheint so zu sein, dass gerade Stiftungen explizit aufgefordert werden müssen, nicht den Wettbewerb, sondern den Schulterschluss zu suchen. Es gibt genug für alle zu tun, so Dr. Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt: „Stiftungsverbünde bringen mehr Kraft zusammen als Einzelne. Sie versammeln mehr Sachverstand. Sie erweitern das Kontaktnetzwerk […]. Sie sorgen für mehr öffentliche Aufmerksamkeit. […] Sie geben auch […] kleinen Stiftungen die Chance, dass jede mit ihren Möglichkeiten an einer gemeinsamen überzeugenden Idee und ihrer Verbreitung mitwirken kann.“ Wo bleiben aber die anderen Akteure im Dritten Sektor mit mindestens genauso viel fachlicher Expertise und Erfahrung – die Vereine, Wohlfahrtsverbände, gGmbHs etc.?! Mein Rat: Bringen Sie sich mit Ihren Projekten nicht nur als Mittelempfänger sondern als ebenbürtiger Kooperationspartner bei Stiftungen ein. Pflegen Sie Netzwerke, suchen Sie den Kontakt und bietet Sie Konzepte zum beiderseitigen Vorteil an. Es scheint so zu sein, dass in der Stiftungswelt die Türen für solche Kooperationen aufgemacht werden.

Bürgerstiftungen könnten Moderatoren werden

Ein Beispiel sei in diesem Zusammenhang noch genannt: „Stadtentwicklung durch Ehrenamtliche “, vorgestellt von Dr. Timon Beyes, Universität St. Gallen. Er sieht die Stadt als Brutstädte gesellschaftlicher Innovation und hat dieses Thema mit Johanna von Hammerstein, Bürgerstiftung Hamburg, und Brigitte Manke, Thüringer Ehrenamtsstiftung, diskutiert. Dass Bürgerstiftungen in diesen lokalen Prozessen eine besondere Rolle spielen können, ist klar. Die innovativeren Konzepte von Bürgerstiftungen wollen Stiftungen, Unternehmen und die öffentliche Hand  zusammen bringen. Gerade Bürgerstiftungen kann dabei eine Moderatorenrolle zukommen, da die Unabhängigkeit Vertrauen bei den Partnern erwecken kann. Die Interessen der Beteiligten müssen klar sein: Einem Unternehmen sollte es neben dem Marketingaspekt selbstverständlich um das nachhaltige soziale Engagement gehen. Aber auch die Stiftung muss klar machen, was sie bieten kann und wo die Grenzen sind. Gleiches gilt natürlich auch für andere beteiligte gemeinnützige Organisationen und auch für die Kommune. Bürgerstiftungen sollten bei neuen Kooperationen im Auge behalten, dass Sie als Moderatoren gefragt sein könnten, wenn die entsprechende Kompetenz zugestanden wird.

Trend zu Gemeinschaftsprojekten aber nicht überall vorherrschend

Allerdings war auf dem Stiftungstag auch zu erkennen, dass nicht alle Stiftungen Gemeinschaftsprojekten gegenüber aufgeschlossen sind. Den eigenen Handlungsspielraum freiwillig einzugrenzen, entspricht oft nicht dem Geist von von Vorständen, Wirtschaftsvertretern und Kommunalverantwortlichen. Besonders auch aus finanzieller Perspektive wachsen Widerstände: Im Kampf z.B. um öffentliche Mittel und um Spender ist jeder weitere Akteur vordergründig Wettbewerber. Dem Vorurteil, diese Mittel wäre im eigenen Projekt selbst besser angelegt, gilt es mit anderen Denkweisen zu parieren: Gut gesteuerte gemeinsame Projekte entfalten eine große Kraft.

Anforderungen an die Steuerung bei Gemeinschaftsprojekten

Bei der Steuerung einer Kooperation, besonders wenn sie von externer Seite durchgeführt wird, muss klar sein, dass es dabei nicht um eine Kontrolle der inhaltlichen Arbeit, sondern um den Dienst für die Zusammenarbeit geht, wie z.B. gemeinsames Fundraising, Rechnungslegung und Berichterstattung. Wenn es sich bei den Beteiligten um ehrenamtlich tätige Organisationen, wie sie auf regionaler Ebene anzutreffen sind, handelt, kommt auch noch das Freiwilligenmanagement hinzu, dessen besondere Aufgabe es sein wird, Spannungen zwischen unbezahlten und bezahlten Akteuren (z.B. dem Kooperationskoordinator) zu vermeiden bzw. auszugleichen.

Welche Stiftungen werden Kooperationen eingehen

Welche Stiftungen werden in Zukunft verstärkt Kooperationen mit anderen Akteuren suchen? Ich meine mindestens drei Stiftungstypen entdeckt zu haben:

Klassische große Stiftungen

Die Stiftungen alten Typs, die von klassisch vermögenden Stiftern „alter Geldadel“ gegründet wurden. Diese handeln häufig nach dem Muster „Das haben wir schon immer so gemacht!“ und werden daher z.B. für moderne Kooperationen nur schwer ansprechbar sein - weiterhin aber wohlhabende Finanziers gemeinnütziger Projekte bleiben. Kooperationswille vermutlich schwach. Sie könnten aber die Hauptfinanziers sein.

Neue, unternehmerisch handelnde Stiftungen

Die vermögenden Stiftungen neuen Typs, die in der jüngeren Zeit durch Stifter gegründet wurden, verstehen sich dagegen eher als Sozialunternehmen. Da es sich meist um besonders erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeiten handelte, tragen diese auch unternehmerische Prinzipien in die Stiftungsarbeit hinein. Hierzu zählen Innovationsbereitschaft und strategisches Investieren anstelle von kurzfristigen Projektförderungen, was von alle Akteuren – Staat, Wirtschaft und Dritter Sektor – positiv genutzt werden kann. Kooperationswille hoch.Teilweise auch als Finanziers.

Schlecht ausgestattete Stiftungen

Schließlich die nicht vermögenden Stiftungen, wie es sie leider mit dem Stiftungsboom immer mehr gibt. Diese sind auf Managementfunktionen, wie sie jeder Verein kennen und nutzen sollte, angewiesen – wie z.B. Fundraising und Sozialmarketing. Und Sie sind auf Kooperationen welcher Art auch immer angewiesen, um mit geringem Kapital dennoch möglichst viel Einfluss zu haben. Wenn sich die Vorstände dieser Stiftungen über diese Problematik im Klaren sind, wären sie ausgezeichnete Projektpartner. Kooperationswille sehr hoch. Aber nicht als Finanziers.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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