Wo bleiben die Migranten?

Waren Sie einmal auf einem Fundraising-Tag oder dem Deutschen Fundraising-Kongress? Ist Ihnen da etwas aufgefallen? Dort traf sich der deutsche, weiße Mittelstand. Sahen Sie Menschen mit erkennbarem Migrationshintergrund? Nein. So wenige, dass man sie an einer Hand abzählen kann. Schwarze? Soll schon mal eine oder einer dabei gewesen sein. Ansonsten: Nicht vorhanden.

20 Prozent sind schon drin

Und das in einer Gesellschaft, in der mittlerweile knapp 20% der Einwohner einen Migrationshintergrund haben oder Ausländer sind, in Großstädten ganze Stadtteile bunt gemischt sind und Migranten in der dritten, teilweise schon in der vierten Generation in Deutschland leben. Wie kommt es, dass es so gut wie keine Fundraiser mit Migrationshintergrund gibt, wenn die Kinder von Migranten ansonsten Abitur machen, studieren, Unternehmen führen sowie als Freiberufler, Ärzte, Apotheker erfolgreich sind?

Weiß dominiert

Diese Beobachtung betrifft nicht nur das Fundraising, sondern auch die Führung von gemeinnütizigen Organisationen. In Vereinen und Stiftungen dominiert die weiße, deutsche Mittelschicht. Mein Kollege Ehrenfried Conta Gromberg beriet vor kurzem einen lokalen Dachverband in einer der deutschen Hochburgen türkischen Lebens. Der ganze Vorstand und weitere führende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter saßen an Tischen. Aber es war nicht ein türkisches Gesicht dabei. Auch auf Leitungsebene sind wir im Dritten Sektor unter uns. Das bedeutet allerdings nicht, dass Menschen mit Migrationshintergrund sich nicht organisieren. Es gibt eine Vielzahl türkischer und muslimischer Vereine – nicht nur zum Bau einer neuen Mosche. Auch Farbige treffen sich, nach den Herkunftsregionen und der jeweiligen Kultur.

Natürlich werden Integrationsprojekte gefördert und dafür gefundraist. Eine Reihe von Stiftungen finanzieren immer wieder Projekte der Integrationsarbeit, der Sozialarbeit mit Menschen anderer Hautfarbe oder Migrationshintergrund. Private Förderer und Unternehmen als Unterstützer sind weitgehend Fehlanzeige.

Was ist der Gradmesser für ein kulturell integriertes Fundraising?

Wenn die Bürgergesellschaft und die Anzahl „integrierter“ Fundraiser der Gradmesser für den Erfolg gelungener Integration wäre, dann wäre es um Deutschland extrem schlecht bestellt. Auch schaffen es deutsche Organisation so gut wie nicht, unter Menschen mit Migrationshintergrund zu fundraisen. Und die Organisationen der Migrant/innen gelingt es kaum außerhalb der angestammten Gruppen Spenden zu gewinnen.

Gibt es zwischen den beiden Phänomenen eigentlich einen Zusammenhang? Es fehlen Menschen mit Migrationshintergrund in den Organisationen. Es gibt keine Spenden von Menschen mit Migrationshintergrund für diese Organisationen. Vermultich sicher. Warum sollten Menschen für Organisationen spenden, die offensichtlich auf dem Auge der Herkunft blind sind? Wo erkennbar keine Anstrengung unternommen wird, Menschen aus anderen Kulturkreisen zu integrieren – unabhängig wie gut die Sprache gesprochen wird und wie lange die Menschen hier schon sozialisiert sind?

Fazit und die Forderung nach einer neuen Quote

Solange es uns nicht gelingt, gerade auch im Dritten Sektor tatsächlich eine Integration herzustellen, solange wird eine Bürgergesellschaft eine Fiktion bleiben. Denn diese wird höchstens die Bürgergesellschaft einer weißen, deutschen Mittelschicht sein. Diese mag sich zwar für den kulturellen Nabel der Nation halten, eine Bürgergesellschaft ist sie damit noch lange nicht.

Und wir werden – berechtigterweise – solange keine Spenden von Menschen aus anderen Kulturkreisen erhalten, solange wir sie nicht wirklich integrieren. Solange Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund nicht selbstverständlich auch in deutschen Vereinen Mitglieder sind und Vorstandsaufgaben wahrnehmen. Solange in der deutschen Bürgergesellschaft der Stallgeruch das wichtigste Kriterium ist, solange werden wir auf den Fundraisingtagen und –kongressen noch weiter unter uns bleiben.

Nehmen wir im Fundraising die Aufgabe an

Wie wäre es mit einer Migranten-Quote bei Ausbildungen der Fundraising-Akademie oder bei Vorträgen auf dem Fundraising-Kongress? Und wann schauen die Kolleg/innen mit Personalverantwortung auf diesen blinden Fleck und besetzen offene Stellen auch mit Menschen, die einen Migrationshintergrund haben? Falls das passiert, werden wir davon berichten.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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