Zerstören finanzielle Anreize die Anerkennung?

Seit vielen Jahren ist bekannt: Förderer und Ehrenamtliche müssen für ihr jeweiliges Engagement Anerkennung erfahren. Denn ein Engagement für Ihre Projekte und Programme ist alles andere als selbstverständlich. Schließlich verzichten sie auf etwas – auf ihr Geld oder ihre Zeit, die ja auch wertvoll ist.

Wie soll also Anerkennung für Engagement aussehen? Wie wäre es, wenn Ehrenamtliche im Gegenzug für ihr Engagement Vorteile genießen können? Zum Beispiel eine Anerkennungspauschale erhalten oder Vorteile beim Bäcker oder beim Friseur – vielleicht auch beim Eintritt ins Museum oder ins Freibad?

Anerkennung durch finanzielle Anreize?

Die Idee ist schön und hat ja auch einiges für sich: Ehrenamtliche erhalten für ihr jeweiliges Engagement etwas zurück. Dies ist als Anerkennung ihrer Leistung üblich. Und zeigen diejenigen, die Rabatte einräumen oder etwas anderes geben, nicht damit auch ihre Anerkennung für die Leistungen der Ehrenamtlichen? Oder helfen die Ehrenamts- und Übungsleiterpauschalen? Wie im Sport können Ehrenamtliche für ihre Aufwendungen ein geringes Entgelt bekommen, welches als Anerkennung ihrer Leistungen gedacht ist.

Beispiel: Übungsleiterpauschale

Um diese Fragen beantworten zu können, hilft ein Blick in die wissenschaftliche Literatur. Dabei ist die Übungsleiterpauschale ein gutes Beispiel: Traditionell haben Väter – und manchmal auch die Mütter – die Aufgaben als Trainer und Betreuer ihrer Kinder übernommen. Dies machten sie ehrenamtlich, bekamen in der Regel noch nicht einmal ihre Auslagen erstattet. Und wie so häufig: Alle anderen Eltern waren froh, wenn sie sich nicht beteiligen mussten. Das ist ziemlich ungerecht, da einige die Arbeit haben und viele sich eben deshalb nicht engagieren müssen. Was lag also näher, als die ehrenamtliche Arbeit der vielen Eltern im Sport mit einer Übungsleiterpauschale anzuerkennen? Mit einem geringen Beitrag, der steuerfrei bleibt, sollen die Ehrenamtlichen für ihren Einsatz entschädigt werden. Wer etwas tut, soll auch etwas zurückerhalten.

So weit so gut. Was jedoch nach Einführung der Übungsleiterpauschale passierte, berichtet Dan Ariely – ein israelischer Ökonom, der in den USA lehrt – in einem seiner Bücher: Die Eltern nahmen das Geld an und plötzlich erhöhte sich die Unzufriedenheit, die durch die Pauschale doch eigentlich zurückgehen sollte.

Entlohnt statt anerkannt?

Was war passiert? Durch die Pauschale als Übungsleiter erlebten Trainer und Betreuer ihre Arbeit nicht mehr als ehrenamtlich, sondern als bezahlte Leistung. Durch die Pauschale war das Entgelt, welches ja nur Anerkennung ausdrücken sollte, begrenzt. Statt Anerkennung zu erfahren, sahen sie sich nur unzureichend entlohnt und quasi ausgebeutet.

Mit der Einführung der Übungsleiterpauschale findet also eine Umdefinition statt. Statt Training und Betreuung als ehrenamtliche Tätigkeit zu erleben, verstehen Trainer und Betreuer nach Einführung der Pauschale diese als bezahlte Arbeit. Entsprechend reagieren sie: Sie fühlen sich für ihre Leistung schlecht bezahlt. Deshalb sinkt die Motivation, denn wer mag sich schon schlecht bezahlen lassen. Die gut gemeinte Motivation und Anerkennung kehrt sich ins Gegenteil. Die Motivation der Ehrenamtlichen leidet.

Kann man mit Geld motivieren?

Diesen Zusammenhang kennen wir auch aus Unternehmen. Gehalt ist zwar ein wichtiges Motiv, um zu arbeiten. Aber kann man mit Geld Menschen wirklich motivieren? Sollten Sie dies denken, dann lassen Sie sich von Dan Ariely überzeugen, dass dies ein Mythos ist. Statt mit Geld motivieren wir Menschen anders: Mit Geschenken, durch Mitbestimmung und Teilhabe, aber nicht mit Geld.

Welcher Schluss ist hieraus für die Anerkennung der Förderer und Ehrenamtlichen zu ziehen?

Geld und die Umstellung auf Bezahlung bzw. die Einführung von Pauschalen zur Anerkennung von Leistungen kann sich schnell ins Gegenteil verkehren. Statt der Motivation könnte nur die Unzufriedenheit steigen. Dies sollte auf jeden Fall vermieden werden. Und wenn Ehrenamtliche ihr Engagement als bezahlt erleben, was unterscheidet sie dann noch von den bezahlten Mitarbeitern? Was ist dann noch das Besondere am Ehrenamt?

Gaben motivieren

Soll durch Anerkennung die Motivation steigen, müssen andere Formen gewählt werden. Was können Sie zur Anerkennung und Motivation verschenken? Wie können Sie Ehrenamtliche ehren? Wie wäre es, wenn Sie statt eines Rabatts Ihre Ehrenamtlichen ins Schwimmbad einladen. Das könnten Sie sich ja auch spenden lassen. Oder die örtliche Sparkasse gibt ein kleines Seminar zur Geldanlage – speziell und exklusiv für Ihre Ehrenamtlichen. Vielleicht haben Sie auch einen Kontakt zu einem Museum. Wie wäre es dann mit einer exklusiven Führung durch die Werkstatt oder mal ein Blick hinter die Kulissen des Theaters?

Für die Anerkennung ist nicht entscheidend, wie hoch die Summen sind. Wichtig ist die Geste. Wie revanchieren Sie sich für das geschenkte Engagement und Geld? Schenken Sie etwas zurück, was man nicht kaufen kann und zeigen Sie, wie sehr Ihnen Ihre Freiwillige und Förderer am Herzen liegen.

Quelle: Dan Ariely: Denken hilft zwar, nützt aber nichts.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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