Zivilgesellschaft in Zahlen: Was verraten uns die Zahlen für das Fundraising?

Aktuell (Januar 2015) liegt eine Sonderauswertung der Studie „Zivilgesellschaft in Zahlen“ (ZiviZ) zur Finanzierung zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland vor. Daraus lassen sich auch einige Schlüsse für die Zukunft des Fundraisings ziehen.

Zunächst zeigt die Studie ein ungewohntes Bild: Mehr als die Hälfte aller Nonprofits in Deutschland haben einen Etat von unter 10.000 € im Jahr. Sie sind durch ehrenamtliche Arbeit getragen und finanzieren sich vor allen Dingen über Mitgliedsbeiträge. Nur 4% aller Organisationen haben mehr als 1 Mio. € Umsatz pro Jahr. Hierzu gehören vor allen Dingen Organisationen und Sozialunternehmen aus den Sektoren „Bildung“ und „Gesundheit“.

Eine gespaltene Zivilgesellschaft

Die Zahlen zeigen auch: Die Zivilgesellschaft in Deutschland spaltet sich: Auf der einen Seite gibt es sehr viele kleine, vor allen Dingen ehrenamtlich getragene Organisationen, die nur geringe Einnahmen haben. Auf der anderen Seite entwickeln sich große Organisationen und Sozialunternehmen, die sich vorwiegend über Markterträge und öffentliche Zuwendungen finanzieren. Spenden und Mitgliedsbeiträge haben bei diese Organisationen und Unternehmen nur eine untergeordnete Bedeutung.

Dabei ist der Anteil der Spenden am Finanzierungsmix der Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen erstaunlich hoch: Im Durchschnitt stammen 20% der zur Verfügung stehenden Mittel aus Spenden und Sponsoring. Bei immerhin 16% der Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen machen sie die Haupteinnahmequelle aus – d.h. mehr als die Hälfte der Einnahmen werden im Fundraising eingeworben.

Starke Schwankungen bei Fundraising-Einnahmen

Dabei berichtet die Studie, dass die Einnahmen im Fundraising insgesamt zunehmen – wobei 20% der Befragten von zunehmenden Erträgen, eine etwas größere Gruppe von sinkenden Fundraising-Einnahmen berichtet. Die Verteilung der Spenden zwischen den Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen sowie zwischen den Sektoren ist flexibel: Während die Fundraising-Umsätze in den Sektoren „Bildung“, „Gesundheit“ und „internationale Solidarität“ eher steigen, gehen sie in den Sektoren „“Freizeit“, „Sport“ und „Bürger-/Verbraucherinteressen“ zurück.

Leider zeigt die Sonderauswertung nicht, womit sich die Verschiebungen erklären lassen. Ein möglicher Grund könnten die Fundraising-Anstrengungen der Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen sein. Damit könnte die Vermutung bestehen, dass die Sektoren, die Rückgänge zu verzeichnen haben, in Zukunft ihre Anstrengungen im Fundraising erhöhen müssen, wenn sie die Rückgänge kompensieren wollen.

Was passiert, wenn Mitgliedsbeiträge wegbrechen?

Es gibt noch einen weiteren interessanten Zusammenhang in der Studie: Sie zeigt, dass Mitgliedsbeiträge für viele Organisationen das finanzielle Rückgrat bilden. Es fällt den Organisationen aber immer schwieriger, neue Mitglieder zu gewinnen. Es konnte beobachtet werden, dass ein Rückgang der Mitgliederzahlen durch Anstrengungen im Fundraising kompensiert werden soll. Damit lässt sich vermuten, dass vor allen Dingen kleine Vereine aktiv in das Fundraising einsteigen.

Für das organisierte Fundraising ergeben sich hieraus zwei zentrale Folgen:

  • Mehr kleine Organisationen im Fundraising
    Scheinbar steigen zunehmend kleine, regional verankerte Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen mit einem sehr geringen Budget ins Fundraising ein. Es stellt sich die Frage, welche Formen und Formate für diese Organisationen sinnvoll einzusetzen sind und welche Angebote bspw. der Deutsche Fundraising Verband dieser Zielgruppe machen kann.
  • Bei großen Organisationen, Stiftungen und Sozialunternehmen spielt Fundraising nur eine untergeordnete Rolle
    Die Folge hieraus kann auch eine geringere Beachtung durch das Management sowie eine nicht hinreichende finanzielle Ausstattung mit Ressourcen und Infrastruktur sein. Damit ergäben sich hier neue Anforderungen an die Beratung und Unterstützung, die auf die besondere Situation dieser Gruppe Rücksicht nimmt.

Sie können sie Langfassung der Sonderauswertung hier herunterladen.

Stephanie Harm & Dr. Kai Fischer

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